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Chronik von Wermsdorf - anläßlich der 450 Jahr Feier

Bergbau und Mineralienfundorte im Wermsdorf und Umgebung

Der Bergbau hatte in der Wermsdorfer Vergangenheit eine entscheidende Bedeutung. Schon bei seinem Entstehen war es eine Bergbauersiedlung. Bestimmt seit dem 16. Jahrhundert, und womöglich schon früher, hat man in der Nähe Eisenerz gefördert und die Bewohner haben an der Gewinnung, Bearbeitung und dem Transport mitgewirkt. Es ist bewundernswert, wie die Alten (früherer Ausdruck für die Bergbauer und Prospektoren) schon vor hunderten von Jahren fast alle heute bekannte Eisenerzvorkommnisse finden und abbauen konnten. Dieses wurde besonders bei Schwagersdorf, östlich von Sensenzipfel, am Hüttelberg (1209 m) und auch anderswo abgebaut. Alle Vorkommnisse des Eisenerzes sind in den Karten von Fojt und Skácel (2001) eingetragen. Genauere Berichte über Erzabbau haben wir aus dem 18. Jahrhundert. Damals wurden (dem Lomic nach, 1959) jährlich 450 bis 575 Tonnen Erz aus den Stollen gefördert. Für die damalige Zeit war es nicht gerade wenig und auch das Eisenvorkommen im Erz (25 - 45%) war ausreichend. Später wurde die Produktion eher nach und nach verringert (im Jahre 1833 z.B. nur noch 260 Tonnen). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war dann nur noch ein Stollen in Betrieb und die Eisenwerke in Zöptau und Reutenhau haben im Wesentlichen ihren Rohstoff von wo anders bezogen. Der letzte Stollen (Sylvanizeche bei Siebenhöfen) wurde 1885 geschlossen. In den Jahren 1954 - 58 hat man eine groß angelegte Forschung in den Stollen und Schürfschachten um Wermsdorf herum und Probebohrungen gemacht, deren Spuren man noch bis heute sehen kann. Dabei wurde festgestellt, dass diese Erzvorkommnisse aus heutiger Sicht nicht mehr nutzbar sind.
Östlich der wermsdorfer Kirche befindet sich der Kupferberg. Dort befindet sich ein alter Stollen mit der Jahreszahl 1680 und in der Umgebung kann man noch heute spärliche Pyrit- (Schwefelkies) Vorkommnisse vorfinden. Hierbei handelte es sich im 17. Jahrhundert eher ums Schürfen, als um einen bedeutenden Kupferabbau. Der jahrelange Abbau vom Speckstein war schon früher von Bedeutung. Es ist wieder bewundernswert, dass schon vor etwa 400 - 500 Jahren die Prospektoren Adern von diesem ungewöhnlichen Mineral nicht nur finden konnten, sondern auch seine ausgesprochen gute Eigenschaften zum Ausmauern von Eisenöfen herausgefunden haben. Das war die eigentliche Hauptnutzung des Specksteins, aber wegen seines leichten Bearbeitens hat man ihn auch für andere Zwecke genutzt. Die Details über den Abbau und die Verarbeitung findet man in den Artikeln (Gába, 1989,2007), hier eben nur kurze Erwähnung. Der älteste Abbau war im Sensenzipfel am rechten Mertaufer, umgekehrt der jüngste Abbau, am Hüttelberg am Waldweg (heute ein Naturdenkmal), wurden erst um das Jahr 1900 stillgelegt. Außer diesen Fundstätten wurde Feldspat, im Gebiet um Wermsdorf, in kleineren Mengen auch an zwei anderen Stellen abgebaut. Im Dorf findet man noch heute viele Feldspatprodukte. Vor allem sind es Wassertröge zum Tränken von Vieh, welche früher wohl fast im jeden Haus vorhanden waren, aber auch viele andere Produkte: z.B. die Statue des Hl. Johann von Nepomuks aus dem Jahre 1777 an der wermsdorfer Kirche, oder der Sockel unter dem Kreuz am hiesigen Friedhof. Auch außerhalb der eigenen Herrschaft hat man Feldspatprodukte exportiert; als Meilensteine oder Straßenpfosten, in den Jahren 1839 - 40, sind sie bis nach Troppau gekommen. Gelegentlich arbeiten auch Bildhauer (Bohumil Teplý) mit Feldspat. Der nächste Rohstoff, der um Wermsdorf gefördert wurde, war Granit vom Erzberg. Er wurde gelegentlich und eher oberflächlich gefördert, wohl schon sehr lange, was die große Zerstörung des Geländes bezeugt. Ab dem 19. Jahrhundert befand sich hier ein Steinbruch, welcher dem Bezirksstraßenbauamt gehörte, und wo Schotter geschlagen und zermalmt wurde. Ein Teil der Steine wurde auch zum Bauzweck verwendet. Von 1943 existiert eine Angabe über ca. 20 m³ Tagesabbau. Am Ende des zweiten Weltkrieges ist die Produktion des Steinbruchs eingestellt worden und nach dem Krieg nur für kurze Zeit wieder aufgenommen wurde. Der Steinbruch ist zwar verwachsen, aber die Wand und die Rampen kann man noch gut erkennen.
Als eine wirkliche Kuriosität kann man eine Angabe von Heinrich (1854) bezeichnen, dass man in der Mitte des 19. Jahrhunderts Torf am Großen und Kleinen Seeberg für Eisenhüttenbedarf (als Brennstoff?) abgebaut hat, aber es sehr bald als nicht rentabel befunden und eingestellt hat. Wermsdorf ist auch als Fundort verschiedener Mineralien, nicht nur in der Tschechischen Republik, sondern auch im Ausland berühmt, wo schon seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Interesse zum Sammeln und Erforschen von Mineralien geweckt wurde. Zurzeit kennt man auf Gemarkung Wermsdorf bis zu Hundert verschiedene Mineralarten. Sie stammen aus vielen verschiedenen Lokalitäten der Umgebung und auch aus verschiedenen Gesteinsarten. Die bekanntesten Fundorte, der so genannten alpinischen Erzgänge, sind unweit der Schieferheide. Es handelt sich um Mineralien, die sich tief in der Erde in Rissen und Höhlungen verschiedener Gesteinsarten aus heißen Lösungen (100° - 400°) auskristallisiert haben. Diese, oft sehr schön geformte Kristalle, findet man um Wermsdorf an verschiedenen Stellen. Fisera (2000) führt sie an 14 Fundstellen auf, seitdem wurden noch weitere beschrieben. In der Nähe der Schieferheide sind Kristalle, wie Bergkristall (Kristalle bis zu 15 cm groß), Chlorit, Albit, Titanit und Tuffgestein sehr bekannt. Der normale Besucher findet im Schutt oder an Bächen wohl kein seltenes Mineral (auch wenn man es nicht ausschließen kann), eher muss er sich mit kleineren Bergkristallen oder Pyritkristallen zufrieden geben. Berühmte Mineralfundorte sind auch Feldspatsteinbrüche, namentlich der am Hüttelberg. Von hier gibt es in verschiedenen Sammlungen, sowie bei uns, als auch im Ausland Dolomit, Aktinolith und Apatit. Viele Minerale fand man auch in Pegmatiten, obwohl es bekanntere Fundorte in der Nähe von Marschendorf und Wiesenberg gibt.
Im 19. Jahrhundert waren auch viele bekannte europäische Forscher (z.B. E.F. Glocker aus Breslau und G. Rath aus Bonn) an der Erforschung der wermsdorfer Mineralien beteiligt. Später haben mährische Forscher deutscher Abstammung (V. Neuwirth, F. Kretschmer und E. Burkart) diese Mineralien gesammelt und studiert. Letztgenannter hatte ein Verzeichnis der wermsdorfer Mineralien veröffentlicht, von denen man schon an die 59 Arten gekannt hatte. Seit dem kommen immer wieder neue Arten dazu. Zwischen den Weltkriegen hat der Sammler Hubert Klein aus Rudelsdorf in Zöptau gewirkt, der mit diesen Mineralien Museen und den Handel beliefert hat. So kamen diese eigentlich nach ganz Europa. Nach dem II. Weltkrieg haben nur tschechische Sammler und Museumsmitarbeiter hier gewirkt. Trotz guter Erforschung der Umgebung kann man wohl weitere Mineralfunde und Lokalitäten erwarten.

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Inhalt der Chronik:

Umgebung

Geologischer Aufbau

Bergbau und
Mineralienfundorte


Hydrologie

Flora und Fauna

Naturdenkmale

16. Jahrhundert

17.Jahrhundert

Hexenprozesse

18. Jahrhundert

Anfangs des
19. Jahrhunderts


Mitte des
19. Jahrhunderts


2. Hälfte des
19. Jahrhunderts


Jahrhundertwende

1. Weltkrieges

1938 - 1945

1945 - 1948

1948 - 1989

seit 1989

Die Bewohner- und
Häuserzahl


Papiermanufaktur

St. Matthäus-Kirche

Kapelle des Hl. Johannes
des Täufers


Schule und Schulwesen

Die Bürgermeister

Lokalkapläne und Pfarrer

Oberlehrer und
Schuldirektoren