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Chronik von Wermsdorf - anläßlich der 450 Jahr Feier

Wermsdorf im 17.Jahrhundert

Anfangs des 17.Jahrhunderts erfahren wir über Wermsdorf aus einem Bericht über den Bau des Zöptauer Pfarrhauses, wobei hier auch wermsdorfer Bauern mit ihren Fuhrwerken aushelfen mussten. Wortwörtlich wurde hier berichtet, dass sie "nicht viel gedient haben, weil sie nur einspännig gefahren sind." Weil zu der Zeit Wermsdorf zum Pfarramt Zöptau zugehörig war, haben die Wermsdorfer in den Jahren 1607 - 1609 auch beim Bau der Zöptauer Kirche geholfen. Aus dieser Zeit haben wir erste Erwähnung über einen wermsdorfer Richter, welcher ein gewisser Jakob Schiritz war. Nur aus diesen schlichten Erwähnungen über untertänige Realitäten auf Ullersdorfer Herrschaft ist offenkundig, dass die Fronpflicht und die Zahlungen in die herrschaftliche Kasse am Ende des 16. und am Anfang des 17. Jahrhunderts unverhältnismäßig gestiegen sind und die Untertanen selbst sehr belastet wurden. Die haben deswegen gegen ihre Herrschaften, insbesondere gegen Johann den Jüngeren von Zierotin, rebelliert und haben sich über ihn sogar beim Kaiser Rudolf II. beschwert. Sie haben 1581 dem Kaiser eine Beschwerde zukommen lassen, und dieser hat dann befohlen, diese Beschwerde ordentlich bei mährischem Landgericht zu untersuchen. Unter dieser Anklage war auch die Unterschrift des wermsdorfer Richters. Das Gericht hat sich aber gegen die aufsässige Untertanen geäußert und hat sie ihren Herrschaften zur Bestrafung ausgeliefert. Nach dem Tod des Johannes des Jüngeren von Zierotin in Jahre1608 wurde das ursprüngliche ullersdorfer Herrschaftsgut unter seinen zwei Söhnen geteilt. Auf das restlichen ullersdorfer Herrschaftsgut, welches Jan Jetrich geerbt hat, und das wiesenberger Herrschaftsgut, welches Premek II. geerbt hat. Das Dorf Wermsdorf wurde dann zum wiesenberger Herrschaftsgut zugehörig.
Der Besitzerwechsel hatte aber für die Untertanen keine Besserung der Lage gebracht, eher umgekehrt. Wachsende Spannungen zwischen den Katholiken und Protestanten und aufziehender militärischer Ausgang des Glaubenskonfliktes haben eher den Bedarf an Geld, bei den politisch engagierten Zierotin, erhöht. Genauso wie auf dem ullersdorfer Gut, auch die wiesenberger Untertanen haben die Standesunruhen in Böhmen und Mähren ausgenutzt und haben gegen ihre Herrschaften rebelliert. Sie wurden aber wieder gezwungen klein beizugeben und das bei noch schwereren Bedingungen. Mit dem schriftlichen Abkommen (Revers) vom 25. Juli 1620 haben sich die wermsdorfer Untertanen verpflichtet, dass sie sich nicht mehr gegen ihre Herrschaft widersetzen und nicht rebellieren werden. Das Dokument lädt dann für die Rebellen noch schwerere Fronpflichten auf. Aus der Datierung kann man sehen, dass hier die Bauernunruhen früher unterdrückt wurden als auf dem ullersdorfer Herrschaftsgut, wo Jan Jetrich ähnliches Abkommen mit seinen Untertanen erst am 10. März 1621 geschlossen hat. Gegenüber dem ullersdorfer Abkommen ist das Abkommen mit den Wermsdorfern sehr konkret in Begrenzung von Freiheiten. Die Fronpflichten beinhalteten Arbeiten mit Pferden am Zöptauer Hof, Holz hacken in Herrschaftlichen Wäldern, Gras mähen, aber auch Steine zum Bau fahren, Verfrachtung des Kalksteines zur Kalkbrennerei nach Ullersdorf , Verfrachtung der Specksteine zum Ausmauern von Öfen, Herstellung von Holzkohle usw.
Von den Plagen des 30-Jährigen Krieges wurde das Dorf Wermsdorf, genauso wie die ganze ullersdorfer und wiesenberger Herrschaft verschont. Der Besitzer der wiesenberger Herrschaft, Premek II., wurde zwar als Beteiligter am ständischen Widerstand gegen den Kaiser zum Verlust von ¾ seines Vermögens und zum Verlassen des Landes verurteilt, aber die Kriegszeit voller Verwirrungen hat ihm praktisch ermöglicht, sein Gut weiterhin zu verwalten, trotz dem, dass er im lutherischen (protestantischen) Glauben verharrte. Auf der ullersdorfer Pfarrei wurde schon 1624 ein katholischer Priester, Franz Albani eingesetzt und hiesige Leibeigenen sollten von einem zu anderem Tag zum neuen Gauben übertreten. Zur offiziellen Annahme des katholischen Glaubens auf dem wiesenberger Herrschaftsgut ist es am 23. März 1625 gekommen. Nach Zöptau, wohin die Wermsdorfer zugehörig waren, ist der erste katholische Priester Andreas Schaller erst im Jahre 1631 gekommen. Gleich danach musste der hiesige lutherische (heute evangelische) Geistlicher Johann Clerius nach Schlesien gehen und mit ihm sind auch manche Bergleute und Grubenangestellte lutherischen Glaubens aus Wermsdorf mitgegangen, sodass für bestimmte Zeit "der Betrieb der herrschaftlichen Eisenerzgruben unterbrochen wurde." Für beide Herrschaftsgüter hat der olmützer Konsistorialrat angefangen, seine Zuständigkeit geltend zu machen, und das so uneingeschränkt, dass man sogar im Jahre 1652 die Beisetzung des Premek II. von Zierotin in die Familiengruft in der ullersdorfer Kirche untersagt hat.
Neumann führt als den ersten katholischen Pfarrer in Zöptau, Matthias Leander Schmidt, erst im Jahr 1675 auf. Trotz Kriegsverwirrungen ist das Verweilen eines lutherischen Geistlichen auf der wiesenberger Herrschaft bis zum Jahre 1675 sehr unwahrscheinlich, heißt, also beinahe 50 Jahre seit dem Ausrufen der erneuerten Landesverfassung, die den Aufenthalt von Personen anderes als katholischen Glaubens im Gebiet der mährischen Markgrafschaft streng verbietet.
Die wermsdorfer Untertanen haben auch am umfangreichen Aufstand gegen die ullersdorfer Herrschaft im Jahre 1659 teilgenommen, welcher gerade in den Gemeinden, die zum zöptauer Hof zugehörig wurden, namentlich in Rudelsdorf, angefangen habe. Wie es schon erwähnt wurde, durch das Abkommen aus dem Jahre 1573, wurden die Untertanen vom zöptauer Hof und im Rudelsdorf von der jährlichen Zahlung der Fronpflicht befreit. Premek III. hat ihnen aber immer schwerere unfreiwillige Fronarbeiten auferlegt. Die Rudelsdorfer haben zuerst beim olmützer Landgericht um Hilfe gebeten, aber als dann auch der für sie vorteilhafter Gerichtsurteil keine Besserung gebracht hatte, haben sie rebelliert. Binnen Kurzem ist es ihnen gelungen weitere 15 Untertanen der ullersdorfer und wiesenberger Herrschaft, unter denen auch Untertanen aus Wermsdorf nicht gefehlt haben, auf ihre Seite zu gewinnen. Diese Rebellion hatte so an Stärke genommen, dass es den rebellierenden Bauern gelungen ist sogar bis ins ullersdorfer Schloss vorzudringen und diesen teils auszurauben. Premek III. hat eine Armee berufen und hat sich beim Kaiser über seine Untertanen beschwert. Der Kaiser hat mit seinem Urteil vom 26. April 1662 die Hauptführer der Rebellion, die Richter aus Ullersdorf, Marschendorf, und Weikersdorf, zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Die Vertreter der rebellischen Dörfer mussten dann auf den Knien ihre Herrschaften um Vergebung bitten und ihr Gehorsam mit einem unterwürfigen Abkommen besiegeln. Gleichzeitig wurde ihnen das Recht aberkannt, das Gemeindesiegel benutzen zu dürfen, so dass sie die Hauptmänner, den Herrn Podstatzký, den Herrn Bordejský, den Herrn von Zierotin und Herrn Montana bitten mussten, ihre Siegel unter dieses Abkommen zu setzen. Zu Bauernaufständen und Rebellionen kleineren Umfangs kam es auf ullersdorfer und wiesenberger Herrschaft auch danach. Zu den letzten Unmutsausdrücken und Konflikten mit den Herrschaften über Fronpflichten kam es noch in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts.

Inhalt der Chronik:

Umgebung

Geologischer Aufbau

Bergbau und
Mineralienfundorte


Hydrologie

Flora und Fauna

Naturdenkmale

16. Jahrhundert

17.Jahrhundert

Hexenprozesse

18. Jahrhundert

Anfangs des
19. Jahrhunderts


Mitte des
19. Jahrhunderts


2. Hälfte des
19. Jahrhunderts


Jahrhundertwende

1. Weltkrieges

1938 - 1945

1945 - 1948

1948 - 1989

seit 1989

Die Bewohner- und
Häuserzahl


Papiermanufaktur

St. Matthäus-Kirche

Kapelle des Hl. Johannes
des Täufers


Schule und Schulwesen

Die Bürgermeister

Lokalkapläne und Pfarrer

Oberlehrer und
Schuldirektoren