banner

Chronik von Wermsdorf - anläßlich der 450 Jahr Feier

Wermsdorf im 18. Jahrhundert

Am 1. August 1700 hat die wiesenberger Herrschaft Johann Joachim von Zierotin, Halter des Herrschaftsguts Ullersdorf, von seinem Bruder Maximilian Franz für 230 tausend Gulden gekauft. Genauso wie für die gesamte Herrschaft, so auch für Wermsdorf, hat die Herrschaft des Johann Joachim und seines Sohnes Johann Ludwig von Zierotin großen Aufschwung und Konsolidierung der Herrschaftlichen Güter gebracht. Das hat auf Grund der Tatsachen bedeutet, dass man neue Werkstätte eröffnet hat, aber dass man auch die weniger rentable Werkstätte verkauft hat. In Anknüpfung na den ständig zunehmenden Gebrauch vom Eisen wurde z.B. der Abbau vom hochwertigen Eisenerz in einigen Stollen im Wermsdorf erhöht. Im Glaubitzkartenwerk der ullersdorfer und wiesenberger Herrschaft aus dem Jahre 1739 wurden im Mertatal hinter Sensenzipfel 2 Stampfen dargestellt. Es handelte sich höchst wahrscheinlich um Wassergetriebene Stampfen zum Zermalmen von Eisenerz, das wohl irgendwo in der Nähe abgebaut wurde. Die Stollen wurden aber nicht dargestellt. Es ist hier jedoch östlich von Siebenhöfen ein wahrscheinlicher Eisenerzstollen eingetragen. Gerade an dieses Erzvorkommen wurden zwei Hammerwerke in nahem Zöptau und in Rudelsdorf angeschlossen. Direkt im Sensenzipfel, die zu damaliger Zeit 8 Häuser hatte, hat man zu dieser Zeit nachweislich Speckstein gefördert, ein sehr weiches Gestein, das man zum Ausmauern der Öfen zur "Röstung des Eisenerzes", aber auch zum Herstellen verschiedenen Steinprodukte des täglichen Bedarfs benutzt hat. Demgegenüber im Jahre 1718 hat Johann Ludwig von Zierotin die herrschaftliche Mühle im Wermsdorf an seinen Untertan Martin Engel verkauft. Der Aufschwung des Dorfes, das im Jahr 1739 etwa 124 Häuser gezählt hat, hat sich 1711 erwiesen, wo sich die Wermsdorfer auf Kosten des Richters "gemauerte Kapelle mit Glocke und Glockenturm, geweiht dem Hl. Apostel und Evangelisten Matthäus" gebaut haben. Aus der Glaubitzkarte erfahren wir auch, dass am Anfang des 18. Jahrhunderts die Siedlung Siebenhöfen schon ein bedeutendes Teil Wermsdorfs gebildet hat, das aus etwa 15 Gebäuden in einem Bachtal auf dem östlichen Fuß des Erzberges gebaut wurde.
Außer Landwirtschaft, Handwerks und Erzförderung war eine bedeutende Unterhaltsquelle der Wermsdorfer die Holznutzung, die teils als Scheitholz auf dem Mertafluss geflößt wurde, teils wurde auf Ort und Stelle zur Holzkohle für Bedarf der Eisenöfen und Hammerwerke gebrannt. Dank der ziemlich intensiver Nutzung und des Erfordernisses an Ackerland, haben die Felder und Weideplätze bis hoch in die Wermsdorf umgebende Hänge gereicht. Hauptpflanzen dieser Zeit war Flachs und Getreide. Die wermsdorfer Bauern konnten ihre Ernte gleich in zwei Mühlen zermahlen, und das gleich im Dorf beim Engel, oder in dem marschendorfer Erbgericht, wo sich auch eine Wassermühle befunden hat. Das marschendorfer Erbgericht, später auch Donathof genannt, stand ganz außerhalb von Marschendorf auf dem Weg vom Zöptau, etwa 1 km vor Wermsdorf entfernt.
Zu den grundsätzlichen Veränderungen kam erst danach, wo sich Johann Karl von Zierotin verschuldet hatte und im Jahre 1782 seine Herrschaft Wiesenberg an den Zisterzienserkloster in Welehrad verkauft hat. Aufgrund des Kaiser Josef II.- Patentes aus dem Jahre 1784 wurde dieser Kloster aufgelöst und die wiesenberger Herrschaft mitsamt allen herrschaftlichen Unternehmen ein Teil des vom Staat gegründetes kanonisches Fonds wurde. Bei der wirtschaftlichen Reorganisation des Herrschaftsguts wurden auf Anlass des Direktors des kanonischen Fonds, Johann von Stettenhof, 3 von 4 herrschaftlichen Höfen auf der wiesenberger Herrschaft aufgelöst: und zwar der marschendorfer Hof, der zöptauer Hof und petersdorfer Hof. Auf dem Gebiet der Gemeinde Wermsdorf, auf den Grundstücken, die früher zum zöptauer Hof zugehörig waren, wurde im Jahre 1786 zwischen Rabenberg und Dürreberg eine neue Siedlung gegründet - genannt Freiheitsberg. Den Namen hat angeblich der Herr von Stettenhof selbst ausgesucht. Im Jahre 1793 hatte diese Siedlung schon 18 Häuser mit 84 Einwohnern, mit Grundabmessung ausschließlich Kötner (Häusler). Im Jahre 1809 haben die Freiheitsberger eine kleine Holzkapelle zur Selbstkosten gebaut, die sie dem Hl. Johannes der Täufer weihen ließen.
Im gleichen Jahr wurde nordöstlich von Siebehöfen auch die Siedlung Schwagersdorf gegründet. Durch den kanonischen Fond ein grandios einbegriffener Projekt, der mit der Gründung eines neuen Dorfes an der Stelle der herrschaftlichen Wälder gerechnet hat, hat ziemlich kläglich geendet. Nach der Überlieferung haben sich hier nur 2 Neuinsassen angesiedelt, die hier nur ein einziges Gebäude gebaut haben. Weil sie angeblich verschwägert waren, wurde der Namen der Siedlung davon abgeleitet. Auch in der Zukunft hat sich Schwagersdorf keineswegs besonders gestaltet. Im Jahre 1839 standen hier immer nur 2 Häuser mit 16 Einwohnern.
Auch gesellschaftlich und ökonomisch hat Wermsdorf am Ende des 18. Jahrhunderts einen Aufschwung vermacht. Diese Entwicklung ist mit dem Namen des wermsdorfer Erbrichters Johann Gabriel verbunden, durch dessen Zutun wurde in den Jahren 1773 - 1776 die hiesige St. Matthäus Kapelle erst renoviert und erweitert, und danach im Jahre 1777 ein Pfarrhaus gebaut und der erste Priester, der Zisterzienser Mönch Josef Sedlaczek eingesetzt wurde. Im Jahre 1774 haben die Wermsdorfer in dem Anwesen Nr. 58 auch eine "normale" Schule, mit einem Lehrer gegründet, die dann nach dem Jahr 1777 zur Pfarrschule wurde. Gabriel hat auch das neue Schulgebäude im Jahre1786 bauen lassen. Zur Schule wurden gehörig auch alle Siedlungen im Dorfgebiet, also Siebenhöfen, Schwagersdorf und Freiheitsberg. Im Jahre 1790 hat Josef Kriesch auf dem Anwesen, das zum Erbgericht zugehörig war, eine kleine Papiermühle bauen lassen, den ersten privaten Betrieb im Dorf. Der betriebsame Erbrichter Gabriel ist im Jahre 1796 am plötzlichen hartnäckigen Fieber gestorben.

Inhalt der Chronik:

Umgebung

Geologischer Aufbau

Bergbau und
Mineralienfundorte


Hydrologie

Flora und Fauna

Naturdenkmale

16. Jahrhundert

17.Jahrhundert

Hexenprozesse

18. Jahrhundert

Anfangs des
19. Jahrhunderts


Mitte des
19. Jahrhunderts


2. Hälfte des
19. Jahrhunderts


Jahrhundertwende

1. Weltkrieges

1938 - 1945

1945 - 1948

1948 - 1989

seit 1989

Die Bewohner- und
Häuserzahl


Papiermanufaktur

St. Matthäus-Kirche

Kapelle des Hl. Johannes
des Täufers


Schule und Schulwesen

Die Bürgermeister

Lokalkapläne und Pfarrer

Oberlehrer und
Schuldirektoren