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Chronik von Wermsdorf - anläßlich der 450 Jahr Feier

Wermsdorf während des 1. Weltkrieges

Die positive Entwicklung der Gesellschaft anfangs des 20. Jahrhunderts wurde in allen Gebieten durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Die allgemeine Mobilisation in den Krieg gegen Serbien, womit der ganze Krieg entstanden ist, wurde in Wermsdorf telefonisch aus Wiesenberg am 31. Juli 1914 um 16 Uhr ausgerufen. Alle Wehrpflichtigen haben sich am Gasthaus Tinz (das heutige Gemeindeamt) versammelt. Im Dorf wurde ein besonderer Beamter zur Organisation und Zusicherung der mobilisierten Männer bestimmt. Vor der Abfahrt zur Front kam es zum öffentlichen Abschied mit Familien und Ortsvertretern, begleitet von dessen patriotischen Reden. Zur Abfahrt aller 60 Wermsdorfer Männern kam es dann am 2. August 1914. Zu diesem Zweck wurden bei Gasthof Tinz Leiterwägen hingestellt, die mit Reisig und feierlichen Schriftzügen ausgestattet wurden und in welche dann nach und nach die Wehrpflichtigen aus dem Niederdorf eingestiegen sind. Von Zöptau sind sie dann mit dem Zug nach Schönberg gefahren, wo sie dann dem hiesigen 93. Infanterieregiment zugeteilt wurden und nach einer kurzen Ausbildung nach Serbien zur Front abgeschickt wurden. Weitere Musterungen sind noch am 10. Oktober 1914 (es wurden 26 Rekruten des Jahrgangs 1894 ausgehoben) und am 16. Januar 1915, wo dann die Jahrgänge 1878 - 1890 ausgehoben wurden. Danach folgten noch einige Mobilisierungswellen. Im Zusammenhang mit der Kriegsversorgung kam es gleich im Jahre 1915 für die Wermsdorfer Bewohner zur Ermangelung an Getreide und Mehl. Damals wurden für sämtliche Lebensmittel eine Ration und Pflichtabgaben aus dem Überschuss festgelegt. Z.B. pro einen Menschen ist monatlich 7,2 kg Mehl, also 9 kg Getreide angefallen. Der Lebensmittelmangel hat sich noch mehr durch Missernten vertieft, die durch die kalten und zu nassen Witterungsbedingungen im Sommer 1915 hervorgerufen wurden und als dessen Auswirkung kam es zu großer Teuerung. Z.B. 1 Doppelzentner Weizen, das vor dem Krieg bis zu 4 Kronen gekostet hat, hatte man im Jahre 1915 nach dem Aushang der Bezirkshauptmannschaft auf 34 Kronen reguliert. Deswegen mussten "Abnahmescheine" für Brot herausgegeben werden. Trotz allgemeinen Mangels, der über den ganzen Krieg gedauert hat, hat man im Dorf regelmäßig erfolgreiche Sammlungen zur Unterstützung des Roten Kreuzes, der durch Krieg betroffenen Bevölkerung und der Waisenkinder durchgeführt. Die Lebensmittelsituation wurde immer schlimmer, so dass man Ende Januar 1917 das Kartensystem für die Fleisch- und Fleischproduktversorgung der Bevölkerung eingeführt hat.
Im Jahre 1915 wurden nach Wermsdorf 3 Slowenischen Familien (insgesamt 22 Menschen) aus der Umgebung von Pula deportiert. Weil die ganze Region vom Krieg gegen Italien betroffen wurde, wurden diese Menschen vorübergehend in ruhigere Regionen der Monarchie übersiedelt. Im Wermsdorf wurden für sie die Räumlichkeiten in den Häusern Nr. 37, 51 und im Gasthaus, Haus Nr. 176, ausgegliedert.

Wermsdorf während der so genannten Ersten Tschechischen Republik

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass nach den ersten unruhigen Nachkriegsjahren, wo es zur Kulmination (Zuspitzung) des Nationalkampfes zwischen den Tschechen und den Deutschen im Grenzgebiet kam (Entstehung der Provinz Sudetenland in Nordmähren und Schlesien und dessen Besetzung durch Tschechische Soldaten im Herbst 1918) und nach der Überwindung der politischen, wirtschaftlichen und Gesellschaftlichen Unbeständigkeit dieser Übergangsperiode, haben die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts eine Periode des allgemeinen Aufschwungs dieser Region und auch des neuen tschechischen Staates bedeutet. Im Wesentlichen kam es zur Fortsetzung der günstigen Entwicklung des Gewerbes und des gesellschaftlichen Lebens aus der Vorkriegszeit und das auch in den kleineren Ortschaften der wermsdorfer Größenordnung.
Gleich anfangs der 20er Jahre hat sich diese positive Entwicklung durch Erneuerung und Modernisierung der Mehrheit der wermsdorfer Unternehmen geäußert. So z. B. Hermann Spiller, der Pächter der Mühle, Haus Nr. 121, hat schon im November 1919 die Erlaubnis ein kleines Wasserkraftwerk und Verteilungsnetz zu errichten angefordert. Die Firma "Franz Scherner - Elektrotechnisches Bau-Büro" mit dem Sitz in Mährisch Neustadt hat in der Mühle eine Turbine für Gleichstrom mit 110 V und 1,5 kW Leistung installiert, die dann im Jahre 1921 abgenommen wurde. Das Elektrizitätswerk hat zur Herstellung von Strom für Eigenbedarf gedient und es wurden auch 16 umstehende Häuser mit angeschlossen. Spiller hat das Werk im Jahre 1933 umgestaltet, hat den Generator verstärkt und die Leistung vergrößert. Die Anlage hatte nach dem Umbau, das die Firma Franz Gladnigg aus Schönberg durchgeführt hat, einen Gleichstromgenerator mit einer 6,6 kW Leistung für eine mögliche 220 V Spannung. Weil aber das ursprüngliche Netz auf 115 V gestaltet wurde und die "Stromkonsumenten" wollten nicht in den Umbau des Netzes investieren, musste man die Umdrehungen so regulieren, dass es der kleineren Spannung entspricht. Das Bezirk hat aber den Umbau nur als Provisorium abgenommen, weil es zu dieser Zeit schon gefordert wurde, dass man die "Lokalnetze" auf Wechselstrom umstellt.
Der Inhaber der weiteren wermsdorfer Mühle, Haus Nr. 122, Josef Schlesinger, hat schon anfangs der 20er Jahre neben seinem Betrieb auch eine Bäckerei errichtet. Der Backofen und das Betrieb wurden aber erst im Jahre 1932 abgenommen. In den 30er Jahren hat dann die Bäckerei ein gewisser Franz Bittner betrieben. Einen modernen Wasserantrieb wollte auch der Schmiedemeister Rudolf Göttlicher ausnutzen. Deswegen hatte er in seiner Werkstatt, Haus Nr.21, ein kleines Wasserwerk mit einem Wasserrad zum Betreiben einer Schleifmaschine und eines Hammers errichtet. Weiter wurden zu dieser Zeit im Dorf das schon erwähntes Wasserwerk der Brettsägemühlemühle und der Produktionsstätte für Holzwolleherstellung der Gebrüder Maier, die Papiermühle der Firma Anton J. Schmidt's Söhne und das Herrschaftliche Sägewerk, Haus Nr.41, welches der Rudolf Knoll aus Wermsdorf gepachtet hat, betrieben. Danach, wo um die Jahrhundertwende das Betreiben wahrscheinlich allen wermsdorfer Steinbrüche rückgängig wurde (es ist vielleicht noch die Förderung des Specksteines im Bruch des Johann Kuffel /Küffel am Hang des Kupferberges gelaufen), ist im Dorf ein einziger bedeutender Steinbruch geblieben. Diesen hat auf den Grundstücken des Albert Kleins aus Zöptau auf dem südlichen Hang des Erzberges der Bezirksstraßenausschuss in Wiesenberg betrieben. Man hat hier Granit zur Schotterherstellung für Straßenbau und derer Instandhaltung gefördert. Zu diesem Zweck wurde im Steinbruch auch ein Steinbrecher installiert. Der Steinbruch war höchstwahrscheinlich schon seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Betrieb, aber offiziell wurde der Betrieb erst im Frühjahr 1924 bewilligt.
Die Wirtschaftskrise, die eine vernichtende Auswirkung auf die deutsche Bevölkerung in den Grenzgebieten und die sich im Tesstal durch Produktionsrückgang praktisch fast der gesamten Industrie ausgewirkt hatte, hatte für die kleineren Unternehmen und Gewerbe auf der Lokalebene weniger unheilvolle Folgen. Der Notstand hat vor allem mittellose Arbeiter, die in einem der Zöptauer oder Wiesenberger Betriebe arbeitslos geworden sind, betroffen. Trotz der allgemeinen Situation begegnen wir anfangs der 30er Jahre im Ort einigen verhältnismäßig anspruchsvollen Investitionen für den Aufbau hiesigen Betriebe. Z.B. im Jahre 1930 hat Anton Kubitschek am Gasthaus "Der Kratschem", Haus Nr. 176 (am Spritzenhaus), das der Josefa Fröml gehörte, eine Fleischerei mit Viehschlachtung, Räucherkammer, einer Anrichte für Fleisch und Selchwaren errichtet.
Im Jahre 1933 hat Marie Mangel, die Inhaberin der ehemaligen Mühle und der Tischlerei, Haus Nr. 119, um eine Erlaubnis ersucht, eine Glasschleiferei mit 2 Schleifmaschinen, die durch Wasserkraft betrieben wurden, zu eröffnen. Ihr Mann, der Tscheche Josef Mangel, hat die Schleiferei inoffiziell seit 1927 betrieben, und er brauchte diesen Betreib nur offiziell bewilligt zu haben. Bei der Verhandlung hat man festgestellt, dass es sich um "ziemlich verkommene Betriebsräumlichkeiten, baulich total mangelhaft und die man nicht mehr in guten Zustand bringen kann", handelt. Die Schleiferei wurde aber nachweislich bis in Jahr 1938 und auch später nach dem Krieg bis in das Jahr 1950 betrieben.
Im Jahre 1935 hat sich auch der Schmiedemeister Rudolf Göttlicher (Haus Nr. 21) entschieden, dass er sein Kraftwerk, das bis daher durch ein Wasserrad betrieben wurde, zu einem kleinen E-Werk mit einem Verteilungsnetz umbauen lässt. Der erzeugte Strom wurde zum Antrieb der Schmiedemaschinen und zur Versorgung von 4 - 6 umstehenden Häusern mit der Energie zum Beleuchten genutzt. Die Turbinenleistung hat nur 2 kW bei einer Spannung von 115 V betragen.
Wir wissen zwar nicht, wann Wermsdorf elektrifiziert wurde. Rege Aktivitäten, die zum Bau der kleinen E-Werken in Wermsdorf geführt haben, bescheinigen noch in der Hälfte der 30er Jahre, dass im Gegensatz zu den anderen Ortschaften im Tesstal, die schon seit der Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts an öffentlichen Netz angeschlossen wurden (z.B. Groß Ullersdorf in den Jahren 1921 - 1925), Wermsdorf zu dieser Zeit noch nicht elektrifiziert war. Diese Annahme bestätigt eine statistische Publikation im so genanntem "Sudetenbuch", das im Jahre 1940 aufführt, dass Wermsdorf nicht an das öffentliche Netz angeschlossen wurde. Es ist dazu wahrscheinlich erst anfangs der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gekommen, aber es wurden nicht alle Häuser mit Strom versorgt.
Auf dem wermsdorfer Gebiet haben sich zwischen den Kriegen gleich 2 Genossenschaften auf die Rinderaufzucht spezialisiert. Ein sehr ungewöhnliches Phänomen in rein deutschem Gebiet war vor allem die Nordmährisch - tschechische Almgenossenschaft, die im Februar 1924 in Schönbrunn gegründet wurde, und schon im Juni desselben Jahres hat man das ehemalige Erbgericht, den so genannten Donathof, in Marschendorf bei Wermsdorf mit 33 ha Liegenschaften auf dem marschendorfer Gebiet und vor allem auf dem wermsdorfer Gebiet gekauft. Dieser Hof hat dem Franz Klein aus Wiesenberg gehört, aber er wurde zu dem Besitzstand, auf den die Bodenreform gefallen ist, zugehörig. Die Genossenschaft hat 1925 die erste Almsaison mit 16 Bullen und 56 Färsen eröffnet. Die zweite Almgenossenschaft war eine GmbH, die "Viehzuchtgenossenschaft der Gemeinde Wermsdorf mit Freiheitsberg", die offensichtlich anfangs der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts durch kleinere Rindviehzüchter im Wermsdorf (Chytil's Adressbuch führt - direkt durch alle Landwirte - auf) zum Zweck der besseren Abmachung der Milchpreise bei Abnehmern und auch zur Verbesserung der Rinderzucht im Dorf gegründet wurde.
Sehr abwechslungsreich im Wermsdorf der 20er und 30er Jahre war auch das Dienstleistungsangebot der wermsdorfer Gewerbe. Zu dieser Zeit haben hier gleich 5 Gasthäuser geöffnet. Die Menschen, die nach Unterhaltung und Vergnügen und nach Gesellschaft verlangt haben, konnten das Gasthaus Tinz, Haus Nr. 53 (das heutige Gemeindeamt) besuchen, das an der Kreuzung bei der Kirche lag, wo ein besondere Bonus für die Besucher, die direkt von der Sonntagsmesse eingekehrt sind, vorbereitet wurde. Man hat hier das so genannte "Sonntagskriegla" - ein halbes Liter Bier mit Sonderrabatt - gezapft und man konnte hier auch übernachten. Ins Restaurant "Bei Werner-Hubert" in Siebehöfen, Haus Nr. 104, haben am meisten die Ausflügler, die unterwegs von Wiesenberg nach Zöptau waren, eingekehrt. Die Bierschenke hier war durch das Orchestrion (durch die einheimischen Deutschen "Werkla" genannt) berühmt. Gegenüber dem wermsdorfer Spritzenhaus war "Der Kratschem", das einst zum Erbgericht, Haus Nr. 176, gehörende Dorfgasthaus war; eine beliebte Stelle der wermsdorfer freiwilligen Feuerwehrmänner. Im Haus befand sich gleichzeitig auch eine Fleischerei. Im Wirtshaus haben dann im Sommer verschiedene Veranstaltungen stattgefunden, wo die Sitzgelegenheit direkt auf dem Vorplatz vor dem Spritzenhaus aufgebaut wurde, wo auch eine Kegelbahn stand. Im Niederdorf war dann noch ein Wirtshaus, Haus Nr. 26, "Donig", wo sich auch ein Tanzsaal befunden hat, und wo man Tanzabende veranstaltet hat. In der Gaststätte "Michme", Haus Nr. 44, wo sich auch ein Orchestrion befand, hatten ihr Zentrum die Mitglieder des hiesigen Turnvereins, wo man auch turnen konnte. Außerdem hat in Freiheitsberg Anton Stärk einen kleinen Schank betrieben, wohin meistens nur Sonntagsausflügler eingekehrt sind.
Weil die Fahrt zu den Dienstleistungen und zum Handel in die größere Ortschaften (Zentren - Zöptau nicht ausgeschlossen) in den abgelegenen Ortschaften im Tesstal in den 20er und 30er Jahren für die Mehrheit der Bevölkerung nicht ganz so geläufig war, finden wir zu dieser Zeit in Wermsdorf eine große Auswahl an Gewerbe. Es haben hier die Fassbinder Drösel (in Freiheitsberg) und Winkler, der Dachdecker Nitsche, die Friseure Ölschläger und Stärk, der Müller Schlesinger, die Schlosser Fohr und Stanzel, die Zimmermänner Sturm und Hilbert, die Schmiede Göttlicher, Breitschädel und Kurz, die Schneider Babischta, Axmann und Köhler, der Drechsler Köhler, die Schuhmacher Donig, Klapper, Schön, Wirobal und Bretter, der in den 30 er Jahren in seinem Haus Nr.27 auch ein Fahrradgeschäft eröffnet hat, der Holzschuhmacher Karpstein, die Tischler Haunschild, Friedrich, Stubenvoll und Knoll, die Wagner Tinz und Reinisch, der Lebensmittelhändler Sedlatschek, der Selcher Kubitschek, der Fleischer Lang, der Gärtner Donig, die Kaufmänner, Trafikanten und Händler mit Tabakwaren Stanzel und Wirth, der auch Briefmarken und Postwaren verkauft hat und eine Niederlassung der "Versicherungsagentur" betrieben hat.
Auch das Vereins- und Kulturleben hat in dieser Periode einen Aufstieg erlebt. Gleich nach dem 1. Weltkrieg hat man in Wermsdorf unter der Leitung der neuen Lehrer auf der örtlichen Grundschule, Emma Freude aus Brünn und Richard Friedrich aus Groß Ullersdorf, einen Jugendbund gegründet. Dieser "Bund" hat die Jugend im Dorf zusammengefasst und hat verschiedene Sing- und Tanzveranstaltungen, Volksfeste für die Allgemeinheit, Theateraufführungen und Dorffeste veranstaltet. Das erste Mal hat sich dieser Verein mit einer Veranstaltung vorgestellt, die er zusammen mit der Schuljugend für die Öffentlichkeit im Sommer 1921 gestaltet hat. Außerdem sind in Wermsdorf am 9. Januar 1921 noch 2 weitere Jugendorganisationen entstanden: der "Bund der sozialdemokratischen Jugend" und der "Bund der kommunistischen Jugend". Im Bezug auf diese Kulturaktivitäten aber auch zum Schutz und Erhalten der deutschen Kultur in tschechoslowakischem Staat hat man den Deutschen Kulturverband gegründet, dessen Lokalniederlassung in Wermsdorf im Jahre 1924 entstanden ist.
Auch das bisherige Fehlen der Turnvereine hatte sein Durchbruch in den 20er Jahren. 1928 wurde in Wermsdorf zuerst der "Deutschvölkischer Turnverein" gegründet und danach noch der "Christlich-Deutscher-Turnverein". Die "Christen" haben ihre Turnhalle in den Räumlichkeiten der ehemaligen Weberei in der Papiermanufaktur (weil die Gründer des Vereins, die Gebrüder Hilbert, zu der Zeit dieses Gebäude bewohnt und verwaltet haben). Danach, wo die Gebrüder Hilbert Anfang der 30er Jahre von Wermsdorf weggezogen sind, hat sich dieser Verein aufgelöst. Dagegen der Deutschvölkischer Verein, der zuerst seine Turnhalle im Wirtshaus "Der Kratschem" hatte und später ins Wirtshaus "Michme" umgesiedelt ist, hat sich nicht nur in Wermsdorf gehalten, sondern auch zahlenmäßig gewachsen. Die Vorführungen dieses Turnvereins wurden voll besetzt; auch die Frauen und die "ältere Herrschaften" hatten ihre Riegen. Einen beispiellosen Aufschwung der Leibesertüchtigung hat man erlebt, wo dann der Lehrer Skarpil zum Oberhaupt geworden ist. Man hat regelmäßig mehrmals in der Woche geturnt und manches Dorffest, nicht nur in Wermsdorf sondern auch in der Umgebung, wurde durch das Auftreten des Turnvereins begleitet. Der Verein hat auch Gebirgswanderungen und Erkundungsausflüge veranstaltet.
Wermsdorf ist zwischen den Kriegen auch als Wintersportzentrum berühmt gewesen. Man hat hier häufig nicht nur Skilanglauf, sondern auch Abfahrtslauf gepflegt, aber die große Überraschung heute löst vor allem die Beliebtheit des Skispringens aus, die damals im Tesstal geherrscht hat. Die erste und größte Skisprungschanze dieser Gegend war im Jahre 1927 in Winkelsdorf - Annaberg erbaut. Die weitesten Sprünge haben hier eine Länge von 40m erreicht. Kleinere Skisprungschanzen wurden später durch die Mitglieder der hiesigen Turnvereine in Neudorf, Reutenhau und auch in Wermsdorf errichtet. Im Jahre 1933 haben an der wermsdorfer Skisprungschanze Wettbewerbe des Nordmährischen "Skiclubs" stattgefunden.
Eine Wermsdorfer "Spezialität" war das winterliche Rodeln, im Allgemeinen die "Gasselpartie" genannt. Es handelte sich hier um einen beliebten Zeitvertreib der Jugend, wo man hinter das Schlittenpferdegespann einen langen "Zug" mit zweisitzigen Rodeln gebildet hat, auf denen die Jugendliche aufgesessen haben, und dann von Wermsdorf über Wolfsgrube nach Reutenhau, nach Wiesenberg oder nach Winkelsdorf und zurück hinter diesem "Gespann" gefahren wurden. Das alles bei Belustigung aller Teilnehmer, begleitet von Geklingel der Glöckchen, die am Kummet der Pferde bimmelten und mit ausgiebigen Schneeballschlachten.
Das Dorf hat zu dieser Zeit auch manche andere regelmäßige kulturelle Aktionen, wie z.B. das Erntefest, Maibaumfällen, Saatreiten und Theatervorstellungen der Turnvereine, der Feuerwehr und der Jugendlichen, die Kirmes zum Tag der Hl. Dreifaltigkeit in Marschendorf uva. veranstaltet. Außer diesen volkstümlichen Festlichkeiten hat man auch Pietätsveranstaltungen zur Ehre der Kriegsgefallenen im 1. Weltkrieg gepflegt. Schon im Jahre 1921 hat man auf dem "Petershübel" unterhalb vom Bauernhof der Familie Breitschädel, Haus Nr. 34, eine Pietätskapelle für die Opfer des 1. Weltkriegs gebaut. Das Kreuz, das von den Eheleuten Johann und Theresia Pfeifer gegenüber dem Haus Nr. 37 hingestellt wurde, erinnert bis heute an den Tod ihres Sohnes Johann; es stammt sogar aus dem Jahre 1916. Ein großes Ereignis im Dorf hat die Enthüllung des Kriegerdenkmals für die gefallenen Wermsdorfer im 1. Weltkrieg gebildet, das am 30. August 1925 stattgefunden hat. Das Denkmal war aus ungehauenem Stein, auf dessen Spitze ein eiserner Adler befestigt war und das auf der Stelle gegenüber der Kapelle bei der Papiermühle gestanden ist. Seine Einweihung und Enthüllung war für das gesamte Wermsdorf eine große Feierlichkeit, bei der alle Wermsdorfer versammelt waren. Auch zu dieser Zeit wurde Wermsdorf mehrmals mit großen Überschwemmungen betroffen. Aus Wermsdorf haben wir leider keine Nachrichten über dieses Hochwasser aus dem Jahre 1903, die das ganze Tesstal verheerend getroffen hat. In der Schulchronik wurde jedoch ein Verzeichnis über eine weitere große Überschwemmung hinterlassen, die das Altvatergebirge und dessen Vorgebirge am 2. Juni 1921 betroffen hat. Es wird hier über große Schäden berichtet, die durch den Fluss Biela bei Freiwaldau und der Tess bei Winkelsdorf, Annaberg und dem ganzen Tesstal verursacht wurden. Aber besondere Schäden in Wermsdorf wurden hier nicht erwähnt. Für die Betroffene wurde eine Hilfsaktion ausgerufen, bei der 2150 Kronen gesammelt wurden.
In der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 1927 ist Wermsdorf und mit ihm fast das ganze Nordmähren mit vernichtenden Überschwemmungen getroffen, die durch Starkregen in Kombination mit der Schneeschmelze im Gebirge hervorgerufen wurden. Bei diesem Hochwasser, dass das ganze Flussgebiet der Merta und auch des Tesstales paralysier (gelähmt) hat, kam zu einer massiven Bodenabtragung von Felder und Berghängen. Manche Grundstücke wurden praktisch ganz von dem gesamten Mutterboden befreit.
Im Mertatal wurden Obstgärten verwüstet und die Dorfgrundstücke wurden mit einer gewaltigen Schicht mit Sand und Steinen bedeckt, die vom Fluss angeschwemmt wurden. Der Weg nach Zöptau und auch alle Brücken wurden ganz zerstört. Auf dem Bauernhof, Haus Nr. 128, wurden 1200 m³ Schlick mit Baumwurzeln und Baumstämmen der entwurzelten Bäume angeschwemmt. Auch in den Wäldern entstanden durch das Wasser große Schäden. Die Situation wurde kritisch auch wegen Wolkenbruch und Hagelsturm, die das Land nur ein Monat nach den Überschwemmungen am. 6. Juni 1927 betroffen haben. Betroffen waren vor allem Ortschaften im Tesstal, wie z.B. Groß Ullersdorf, Lauterbach, Beckengrund, Stollenhau und viele andere. Mit den Überschwemmungen im Tesstal hat sich auch das Abgeordnetenhaus der Tschechoslowakischen Republik bei seiner 97. Versammlung am 28. Juli 1927 beschäftigt, das dann eine Hilfe für die am meisten betroffene Ortschaften der nordmährischen Bezirke abgestimmt hat. Für Wermsdorf wurde ein Betrag in Höhe von 1,2 Millionen Kronen ausgezahlt.
In Wermsdorf haben schon in der 1. Hälfte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts die Ortsgruppen dreier politischen Parteien gewirkt: Deutsche Gewerbepartei, Bund der Landwirte und Deutsche Christlich Soziale Volkspartei. Unter den Arbeitern, die in den Zöptauer und Wiesenberger Betrieben gearbeitet haben, hatte die meiste Stellung Sozialdemokratische und Kommunistische Partei. Kommunistische Partei hatte in Wermsdorf aber keine Ortsgruppe, ihre Wermsdorfer Mitglieder wurden in den Zöptauer oder Wiesenberger Zellen geführt. Die größte Stütze hatte in Wermsdorf traditionell der Bund der Landwirte, der in den Parlamentswahlen im Jahre 1929 170 von 524 Stimmen bekommen hat. Starken Rang hatten aber auch die Kommunisten (136 Stimmen) und die Deutsche Christlich Soziale Volkspartei (132 Stimmen). In den Parlamentswahlen im Jahre 1935 hat dann die meisten Stimmen im Dorf wie in der ganzen Republik die Sudetendeutsche Partei bekommen und zwar ganze 245 von 555 Stimmen. Starken Einfluss hatte auch der Bund der Landwirte mit 152 Stimmen beibehalten.

Inhalt der Chronik:

Umgebung

Geologischer Aufbau

Bergbau und
Mineralienfundorte


Hydrologie

Flora und Fauna

Naturdenkmale

16. Jahrhundert

17.Jahrhundert

Hexenprozesse

18. Jahrhundert

Anfangs des
19. Jahrhunderts


Mitte des
19. Jahrhunderts


2. Hälfte des
19. Jahrhunderts


Jahrhundertwende

1. Weltkrieges

1938 - 1945

1945 - 1948

1948 - 1989

seit 1989

Die Bewohner- und
Häuserzahl


Papiermanufaktur

St. Matthäus-Kirche

Kapelle des Hl. Johannes
des Täufers


Schule und Schulwesen

Die Bürgermeister

Lokalkapläne und Pfarrer

Oberlehrer und
Schuldirektoren