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Chronik von Wermsdorf - anläßlich der 450 Jahr Feier

Wermsdorf in den Jahren 1945 - 1948

In Wermsdorf war der Krieg am 8. Mai 1945 beendet. An diesem Tag sind auf dem Weg von Freiheitsberg nach Wermsdorf die Einheiten der Sowjetischen Armee gekommen, die dann schrittweise das ganze Dorf besetzt haben und weiter Richtung Siebenhöfen und Wiesenberg vorgestoßen sind. Kurz vor dem Einmarsch der Russen hat der Pfarrer Rohrsetzer mit einigen Helfern eine weiße Fahne auf dem Kirchturm ausgehängt. Das alleine konnte aber nicht die Diebstähle und das Plündern der russischen Soldaten in einem rein deutschen Dorf verhindern. Eine ernsthaftere Auswirkung hatte aber das Konfiszieren des Viehs, das dann im Garten des Gasthauses Tinz geschlachtet und zur Heeresversorgung fortgebracht wurde. Nicht lange nach der Besetzung des Dorfes, am 15. Mai 1945, kam es zur Verhaftung und Deportation einiger Männer, die sich in den letzten Tagen am Panzersperrenbau und dem Organisieren der örtlichen Landwehr beteiligt haben und auch der Amtsinhaber der NSDAP.
Gleich im Mai 1945 wurde im Dorf eine Bewaffnete 10-köpfige "Revolutionsgarde" eingerichtet, die für Ordnung und Sicherstellung des konfiszierten Eigentums und dessen Schutz vor Beschädigung gesorgt hat. Zu der "Garde" sind allerdings oft auch dunkle Existenzen eingetreten, die die deutsche Bevölkerung schikaniert haben, und die ihre Stellung zum Eigenen Vorteil genutzt haben. Aus Wermsdorf direkt haben wir über diese Exzesse keine Informationen. Von Interesse ist es, das die Verwaltungskommission hat die Garde aus dem Geld bezahlt, das man von der deutschen Bevölkerung eingenommen hat. Die Gebühren wurden noch in Reichsmark enthoben und haben sich in der Spanne zwischen 2 - 10 Mark pro Person bewegt.
Die ersten Tschechen kamen hierher im Mai und im Juni 1945 von Hohenstadt, aus der Walachei und Kremsier. Im Verlauf des Jahres 1946 und auch später sind dann 11 Familien der tschechischen Repatrianten aus Wolhynien gekommen. Von den ersten Siedlern wurden Volkstreuhänder für die wenige Betriebe rekrutiert, welche im Dorf noch funktioniert haben. Z.B. das Sägewerk Knoll wurde mit Herrn Klimesch, die Bäckerei und die Mühle Schlesinger mit Herrn Filip und das Sägewerk mit angegliederter Holzwolleproduktion mit Herrn Mikeska als Volkstreuhänder besetzt. Der ursprünglicher Inhaber der Schleiferei war der Tscheche Josef Mangel und der ist im Dorf auch nach der Vertreibung geblieben. Die Papiermanufaktur war zu dieser Zeit schon außer Betrieb. Noch im Jahre 1945 wurde durch Milos Kaspar der Betrieb des Gemischtwarenladens, Haus Nr. 174,erneuert, Gasthaus und Fleischerei Donig, Haus Nr. 26, wurde von Franziska Valová als Treuhänderin übernommen und Alois Lysácek hat den Betrieb des Gasthauses, Haus Nr. 176, im Hinterzipfel (Oberdorf) erneuert. Es haben hier der Schmied Ruprecht, auf Haus Nr. 20, der Wagner Hornácek, auf Haus Nr. 21, und der Schuhmacher Hurta, auf Haus Nr. 27, gewirkt. Es wurde auch der Steinbruch am Erzberg erneut in Betrieb genommen. Die neuen Bewohner haben sich vorwiegend durch Landwirtschaft und durch die Arbeit in den Staatswäldern ernährt. Die Arbeiter der Arbeiterprofessionen sind zur Arbeit nach Zöptau in die Velamos Fabrik und nach Petersdorf in die Sägewerke gefahren.
Die ganze Waldwirtschaft, die den Kleins gehörte, wurde nach dem Krieg verstaatlicht. Der erste Förster in Siebenhöfen war der Milos Bicenc, der hier schon als Adjunkt während des Krieges gearbeitet hat und in Wermsdorf ein gewisser Postulka. Die Wälder boten Unterhalt vielen Wermsdorfern, vor allem im Winter hat sich die Mehrheit der Landwirte durch das Holzanrücken mit einem Pferdegespann ernährt, aber hatten auch viele Schwierigkeiten bereitet. Die Drahtzäune gegen das Rotwild, welche noch während der Verwaltung der von Kleins errichtet wurden, wurden nicht in Stand gehalten und kurz nach dem Kriegsende ist zur Erntevernichtung an anliegenden wermsdorfer Grundstücken durch das Wild gekommen.
In den ersten Monaten nach dem Krieg wurden die Stromlieferungen im Dorf ganz eingestellt, es hat auch die Telefonverbindung nach Zöptau und auch die private Leitung von Wermsdorfer Försterei zum Franzens Jagdhaus nicht funktioniert. Auch der Schienenverkehr von Zöptau wurde wegen Brückenreparaturen erst am 5. Juli 1945 in Betrieb genommen. Die gesamte Verbindung mit der umliegenden Welt wurde auf der Straße in unregelmäßigen Fahrten mit Bussen oder mit Motorrädern, die mancher Wermsdorfer sein Eigen genannt hatte, gehalten. Das erste Automobil im Wermsdorf (der Marke Tatra) hat sich in Wermsdorf im Jahre 1948 Milos Kaspar, der Betreiber der örtlichen Gemischtwarenhandlung, gekauft. Die regelmäßige Busverbindung bis ins Dorf hinein wurde erst im Jahre 1953 eingeführt. Der Bus hat im Anbau der Remise (Schuppen) des Gemeindenationalausschusses geparkt.
Die deutsche Bevölkerung ist im Dorf bis zum Jahr 1946 geblieben, wo sie dann bis auf ein paar Ausnahmen über Schönberg abgeschoben wurden. Im Dorf durften nur 5 Personen deutscher Staatsangehörigkeit bleiben, welche als Spezialisten für die Waldarbeit ausgegliedert wurden. 2 Personen durften bleiben, weil sie in einer Mischehe mit einer Person tschechischer Nationalität lebten. Das Dorf wurde allerdings nicht genügend nachgesiedelt, immer mehr Gebäude wurden durch die Neusiedler ausgeraubt und leer verlassen. Im Jahre 1950 haben hier nur 314 Einwohner, gegenüber 940 im Jahre 1930 gelebt. Von 213 erfassten Häusern wurden hier im Jahre 1947 nur 122 Nummern besiedelt oder genutzt. Noch schlimmere Situation herrschte in den anliegenden Siedlungen: z.B. in Freiheitsberg wurde nicht einmal ein Haus offiziell zugeteilt und neu besiedelt.
Schon am 20. Mai 1945 wurde aus den tschechischen "Alteingesessenen" die örtliche Verwaltungskommission gebildet, in der Zusammensetzung Bicenc, Mangel, Hroch, die im alten Gemeindeamt, Haus Nr. 54, amtiert haben. Der erste Kommissar wurde der Förster Milos Bicenc. Am 16. September 1945 wurde im Wirtshaus Donig eine Versammlung aller bisherigen tschechischen Dorfbewohnern gehalten, wobei der neue Kommunalkommissar Rudolf Procházka, der dann bis zu den neuen Wahlen 1946 das Amt des Gemeindeamtsverwalters ausgeübt hat, gewählt wurde. In den Wahlen 1946 hat die Kommunistische Partei (KPT) mit 67 Stimmen von 94 gesiegt, vor der Volkspartei mit 11 Stimmen, Sozialdemokratischen Partei mit 8 Stimmen und der Nationalsozialistischen Partei mit 8 Stimmen. Aufgrund der Wahlergebnisse für das 11-köpfige Nationalkomitee haben die Kommunisten 8 Mandate und je 1 Mandat die anderen Parteien bekommen. Der Vorsitzende des Nationalkomitees wurde der leitende Schuldirektor Josef Suk. Die Pfarrei wurde bis zum Jahre 1946 durch den deutschen Geistlichen Alfred Rohrsetzer besetzt und danach nur "Excurrendo" (wo ein Pfarrer von auswärts kommt um eine Hl. Messe zu zelebriere) von Zöptau aus, durch den Provisor P. Josef Senkyrík.
Noch anfangs des Jahres 1948 haben in Wermsdorf 4 politische Parteien gewirkt, und zwar die Nationalsozialistische, Sozialdemokratische, Kommunistische und die Volkspartei. Die größte Partei (Kommunistische Partei) hatte etwa 60 Mitglieder und ihr Vorsitzender war Alois Svoboda.

Inhalt der Chronik:

Umgebung

Geologischer Aufbau

Bergbau und
Mineralienfundorte


Hydrologie

Flora und Fauna

Naturdenkmale

16. Jahrhundert

17.Jahrhundert

Hexenprozesse

18. Jahrhundert

Anfangs des
19. Jahrhunderts


Mitte des
19. Jahrhunderts


2. Hälfte des
19. Jahrhunderts


Jahrhundertwende

1. Weltkrieges

1938 - 1945

1945 - 1948

1948 - 1989

seit 1989

Die Bewohner- und
Häuserzahl


Papiermanufaktur

St. Matthäus-Kirche

Kapelle des Hl. Johannes
des Täufers


Schule und Schulwesen

Die Bürgermeister

Lokalkapläne und Pfarrer

Oberlehrer und
Schuldirektoren