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Chronik von Wermsdorf - anläßlich der 450 Jahr Feier

Wermsdorfer Papiermanufaktur

In der Zeit, wo die Mehrheit der Papiermanufakturen im Land entstand, also in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts (in Schönberg 1566 und in Groß Ullersdorf vor dem Jahre 1596), war Wermsdorf ein kleines Untertanendorf auf der ullersdorfer Herrschaft, wo kein bedeutenderes herrschaftliches Betrieb gestanden ist. Hiesige Papiermühle wurde erst viel später errichtet und an sich allein ist es nicht ganz klar, warum der Papiermeister Josef Kriesch im Jahre 1790 für den Bau gerade das abgelegene Wermsdorf gewählt hat.
Josef Kriesch hat von dem damaligen Erbrichter Johann Gabriel ein Ausgedinge, das zum Erbgericht gehörte, gekauft. An seiner Stelle hat er eine kleine Papiermanufaktur, größtenteils aus Holz, mit einem Wasserwerk, welches das Betriebswasser brachte, erbauen lassen. Die Einrichtung wurde durch ein Wasserrad angetrieben. Der Mühlengraben wurde von Kaltseifenbach gespeist und mündete in Merta. In Ihren Anfängern hat die wermsdorfer Papiermanufaktur einen Meister, mindestens zwei Gesellen und einen Lehrling beschäftigt, woraus sich ergibt, dass man hier nur mit einer Schöpfbütte, einem Holländer oder Stampfe zum Zermalmen der Hadern und mit einer Presse gearbeitet hat. Die wermsdorfer Manufaktur wurde in der Zeit des größten Aufschwungs der Handpapierproduktion gegründet, wo der Papierverbrauch durch Amtliche- und Verwaltungswirksamkeit des Staates aufgrund der Reformen der Maria Theresia und ihres Sohnes Josef II. schwindelerregend angestiegen ist. Der Kaiser hat sogar mit seinem Dekret den Meistern der Papierzeche das Recht gegeben, bei feierlichen Anlässen ein Stock mit einem silbernen Griff und ein Degen zu tragen. Sie hatten dann die gleiche Stellung wie die herrschaftlichen Beamten bezogen und sie konnten auch Amtstellen in der Kirche innehaben.
Irgendwann anfangs des 19. Jahrhunderts wurde ein gewisser Georg Hadwiger ein neuer Inhaber der Wermsdorfer Papiermanufaktur. Wie er zu der Manufaktur gekommen ist, wissen wir nicht. Hadwiger konnte das Papier nicht nur herstellen, sondern hatte auch ein Talent als Handelsmann und Organisator erwiesen. Er wurde wahrscheinlich durch die Inhaber der ullersdorfer Papierfabrik, die Gebrüder Werner, inspiriert und er hat gleich begonnen das Papier in die neugewonnene und abgelegene Regionen der Monarchie zu exportieren, vor allem nach Galizien. Es ist möglich, dass der Anfang der wermsdorfer Manufaktur enger mit der Ullersdorfer Werner-Manufaktur zusammengeknüpft ist, als es auf den ersten Blick scheint. Ihr Ursprung wird nämlich an die Zeit geknüpft, wo Matthias Werner zum K&K Papierlieferant nach Galizien, namentlich nach Lemberg wurde, und weil die Nachfrage die Produktion der Ullersdorfer Manufaktur überstieg, hatte er von den benachbarten Papierproduktionsstätten ungeleimtes Rohpapier aufgekauft und in Ullersdorf hatte er es leimen lassen und mit einem Gewinn hatte er es dann weiter verkauft. Dies konnte für Kriesch ein Grund sein, dass er in Wermsdorf eine auf den ersten Blick perspektivlose Papiermühle erbauen ließ. Trotz allem, dass die letzte Papierlieferung nach Lemberg in Ullersdorf aus dem Jahre 1809 belegt ist, aus der wermsdorfer Manufaktur sind hierher etwa um das Jahr 1825 noch jährlich etwa 44 nicht näher beschriebene Papierlieferungen ausgerichtet worden. Zurück wurden dann Salz, Pelze und Schnaps gebracht, die mit einem Gewinn in Troppau, Römerstadt, Sternberg, Neutitschein und Schönberg verkauft wurden. Im Liegenschaftskataster aus dem Jahre 1834 spricht man im Zusammenhang mit der wermsdorfer Manufaktur über Export des Papiers vor allem nach Lemberg und nach Olmütz.
Offensichtlich gerade zur Hartwigzeit kam es nach dem Vorbild von Groß Ullersdorf zu einem Umbau der wermsdorfer Produktionsstätte. Anstatt der Holzgebäude wurden in den 20er anfangs 30er Jahren ein gemauertes einstöckiges Gebäude mit 2 Flügeln, einem hohen Satteldach mit umfangreichen belüfteten Dachräumlichkeiten zum Papiertrocknen erbaut. Das Gebäude wurde mit einem Schindeldach versehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Manufaktur in dieser Zeit ihre endgültige Form, so wie wir sie von den Fotos aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kennen, bekommen hat. Im Erdgeschoss waren die Produktionsräumlichkeiten, dessen Ausrüstung im Jahre 1834 aus 2 Bütten, 1 Holländer und 2 Pressen zum Papierpressen bestanden ist und die von einem Meister, sechs Gesellen und etwa zehn Helfern bedient wurden. Jährlich wurden etwa 150 Packen Konzeptpapier, 80 Packen Kanzleipapier 100 Packen "schwarzen" Handpapier und 20 Schock Pappe in der Hadwiger Manufaktur produziert. Das Papier wurde überwiegend aus Leinenhadern hergestellt, die zu diesem Zweck von der Bevölkerung aufgekauft wurden. Die Hadern hat man nach dem Sortieren im so genannten Holländer, der von einem Wasserrad angetrieben wurde, zermalmt und man hat daraus Papierbrei bereitet. Der Papierbrei wurde dann auf ein Sieb geschöpft, die geschöpften Blätter hat man auf Filz oder Sämischleder gelegt, gepresst, getrocknet, geleimt und wieder gepresst, getrocknet und mit eisernen Klöppeln (Keulen) geglättet. Wie man sieht, war der Herstellungsvorgang zu seiner Zeit sehr langwierig und kompliziert. Es war sehr abhängig von der Qualität und Menge der genutzten Hadern. Die Wermsdorfer Manufaktur hat jährlich 1200 Zentner Leinenhadern gebraucht, die man teils aus den örtlichen Quellen aufgekauft, teils aus Ungarn importiert hat. Weiter hat die Manufaktur zu ihrer Produktion 15 Zentner Gerberabfall alias Leimgut gebraucht, 20 Metze Schafsfüße, woraus man Leim gekocht hat, 15 Viertel Alaunstein und 50 Viertel Färberstoffe. Zum Kochen des Leimes und der Leinenhadern hat man etwa 80 Zentner Holzkohle gebraucht. Jegliche Bestandteile hat man aus Wermsdorf und Umgebung bezogen, spezielle Stoffe hat man bis in Troppau geholt.
Bei der Kontributionsuntersuchung (Kontribution = Sondersteuer) im Jahre 1847 hat die wermsdorfer Manufaktur dem Sohn von Georg Hadwiger Josef gehört. Es ist möglich, dass den Betrieb in den 40er Jahren ein Verwandter aus der Familie Schinzel geführt hat, wie es Hosek 2007 aufführt, ganz bestimmt war er aber nicht der Inhaber der Manufaktur. Nach dem Kaufvertrag vom 17. Januar 1853 hat das Betrieb Anna Gabler mit ihren Söhnen Philipp und Josef erhalten. Nach den erhaltenen Quellen hat die Manufaktur Philipp geführt. Zu dieser Zeit hatten schon das Hauptwort bei der Papierproduktion moderne Maschinenfabriken geführt, welche sind in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts eingetreten und innerhalb kürzester Zeit ist es denen praktisch gelungen das handgeschöpfte Papier, durch Preis, Qualität und Menge, vom Markt zu vertreiben. Der Wermsdorfer Betrieb wurde minimiert und hat vegetiert. Er hat praktisch in dieser Zeit aufgehört zu produzieren, und der größte Teil der Gebäude hat man als Wohnungen vermietet. Bei der Volkszählung im Jahre 1880 haben in der Manufaktur 11 Personen gelebt. Damit man die Rentabilität der Manufaktur verbessern konnte, hatte man hier im Jahre 1866 eine Getreidemühle errichtet.
Für den Antrieb beider Betriebe hat jedoch die bisherige Kapazität des Wasserwerkes aus dem Kaltenseifenbach nicht mehr ausgereicht, deswegen hat Gabler entschieden, das Werk mit der Merta zu verbinden, die unterhalb des Friedhofs nur durch die Dorfstraße vom Wassergraben getrennt wurde. Traditionsgemäß führt man auf, dass er in seinem Vorhaben mit dem Pfarrer Johann Lauer in Konflikt geraten ist. Das hatte den unglücklichen Gabler zu viel Kraft und psychische Belastung gekostet, dass er zusammengebrochen ist und den Rest seines Lebens in einer Anstalt für Geisteskranke verbracht hatte. Das Eigentum hatte danach angeblich seine Frau Anna mit ihrem Sohn Philipp verwaltet. Aus den Grundbüchern geht es allerdings klar, dass kein Philipp senior und junior je existiert hat, es handelte sich um eine und dieselbe Person, die ein Teil der Manufaktur noch im Jahre 1882 im Besitz hatte (den anderen Teil hatte die Mutter Anna Gabler gehalten). Es ist offensichtlich, dass Philipp noch im Jahre 1882 gelebt hatte und überdies aus dem Eintrag im Wasserbuch von 13. Juli 1867 sich ergibt, dass das Wehr des Wassergrabens in diesem Jahre beendet und ordentlich eingeleitet wurde. Das ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass, wenn es zu irgendwelchen Konflikten zwischen dem Pfarrer Lauer und dem Philipp Gabler gekommen ist, sie wurden schließlich im Einklang mit seinen (Gablers) Interessen gelöst.
Im Jahre 1882 haben Philipp Gabler und seine Mutter die kränkelnde Manufaktur an Anton Schmidt, der der Inhaber der größten Bleiche in Tesstal, der Weberei und der Papiermanufaktur in Groß Ullersdorf war, verkauft. Schmidt, auch wenn er vorwiegend in Textilgewerbe produziert hat, hat aus nicht festgestellten Gründen die unrentable und veraltete Fabrik in Groß Ullersdorf nicht aufgegeben, sondern er hat eine alternative Verwendung für das Handgeschöpfte Papier gesucht, wozu er beim Kauf der ullersdorfer Manufaktur die Produktionseinrichtung im Preis inbegriffen, erhalten hat, wozu er genügend Rohstoffe aus der Textilproduktion beisteuern konnte. Aus Not hatte er begonnen seine Textilwaren in das minderwertige Ullersdorfer Papier zu packen. Das eigenartige Design der Papierverpackungen hatte bei den Kunden so einen Erfolg gehabt, dass manche schönberger Textilbetriebe beim Schmidt die Papierverpackungen für ihre eigenen Produkte bestellt haben. Wo dann anfangs der 80er Jahre die ausgezeichnete Filtereigenschaften des Ullersdorfer Handpapiers entdeckt wurden, stieg das Interesse an Schmidts Papierproduktion in solchem Maß an, dass die Kapazität der Ullersdorfer Produktion, die zuerst durch die Textilproduktion eingedämmt wurde, nicht mehr ausreichte.
Deswegen hat Schmidt den praktisch untergegangenen wermsdorfer Betrieb gekauft und hatte hier augenblicklich den Betrieb erneuert. Schon im Jahre 1883 hatte er das Wasserwerk modernisiert. Anstatt 2 Holzwasserrädern hatte er hier eine neue Girardturbine, mit einer Schluckwassermenge 200 l/s und einer 11,6 HP Leistung, installieren lassen, die dann die Produktionseinrichtung der Papiermühle betrieben hat. Er hat hier 2 Bütten in Betrieb nehmen lassen und in einem Teil der Papiermühle hatte er eine Weberei eingerichtet. In Wermsdorf, so wie in Groß Ullersdorf, hatte man Pack-, Schreib- und Filterpapier produziert. Erwin Küffel führt in seiner Erinnerungspublikation auf, dass das ungeleimte Papier aus der wermsdorfer Filiale regelmäßig mit einem Ochsengespann nach Ullersdorf zu einer weiteren Bearbeitung fortgeführt wurde. Zurück hatte man eine Fuhre mit Leinenhadern zur Papierherstellung gebracht. Wo dann das Produktionsprogramm der Familienfirma "Anton J. Schmidt's Söhne", die nach dem Tod von Anton Schmidt senior im Jahre 1893 zum Eigentümer der Papierfabrik geworden sind, nach und nach zur finalen Textil- und Papierproduktion übergangen ist, wurde unter anderem im Jahre 1911 auch die Weberei in Wermsdorfer Papierfabrik aufgegeben.
Offensichtlich anfangs der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde in der wermsdorfer Papierfabrik ein Dynamo für Gleichstrom mit einer Leistung von 8,5 kW und einer 110V Spannung installiert. Der erzeugte Strom wurde zum Antrieb der Einrichtung der Papiermühle und zur Beleuchtung des umfangreichen Gebäudes genutzt. Ein Bestandteil des Wasserwerkes war eine Holzkläranlage zur Reinigung des Brauchwassers, wo das Betriebswasser für die Papierproduktion durch Sandfilter gereinigt wurde. Im Jahre 1928 haben die damaligen Angestellten und Verwalter der Papierfabrik, die Gebrüder Hilbert, in der ehemaligen Weberei eine Tunhalle des "Christlich - Deutschen Turnvereins" errichtet. Der Verein ist allerdings bald untergegangen und diese Nichtproduktionsräumlichkeiten der Papierfabrik haben dann vor allem als Mietwohnungen gedient. In den 30er Jahren kam es zum Rückgang der Produktion. Zu dieser Zeit wurden hier nur noch 8 Personen beschäftigt. Die Produktion wurde dann mitunter in den Jahren 1936 - 1938 eingestellt. Danach, wo die Schmidts während des 2. Weltkrieges in existenzielle Schwierigkeiten gekommen sind, wurde an der wermsdorfer Manufaktur nur die nötigste Wartung durchgeführt.
Nach dem Jahre 1948 hat dieses vernachlässigte konfiszierte Objekt eine Fondgruppe des Kreisnationalausschusses in Olmütz verwaltet. Nach der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung im Jahre 1946 hat sich niemand für die Manufaktur, Haus Nr. 147, interessiert und so ist sie immer weiter verfallen. Zum Schluss ist im Jahre 1949 die verlassene, zu der Zeit schon ein paar Mal ausgeraubte Manufaktur das Eigentum der Gemeinde Wermsdorf geworden, die dann für sie im Jahre 1952 einen Abbruchbescheid ausschreiben ließ. Der Abbruch wurde ziemlich lange durchgeführt, es sollte sogar das zerstörte Gebäude ausgebrannt haben. Noch am Ende der 50er Jahre wurden noch die Bruchstücke der Außenmauern und der anliegenden Passionssäulen sichtbar. Sämtliche Relikte der wermsdorfer Manufaktur mit den Resten des 193m langen Wasserwerkes wurden entfernt vor dem Bau eines neuen Lebensmittelgeschäftes Jednota am Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Inhalt der Chronik:

Umgebung

Geologischer Aufbau

Bergbau und
Mineralienfundorte


Hydrologie

Flora und Fauna

Naturdenkmale

16. Jahrhundert

17.Jahrhundert

Hexenprozesse

18. Jahrhundert

Anfangs des
19. Jahrhunderts


Mitte des
19. Jahrhunderts


2. Hälfte des
19. Jahrhunderts


Jahrhundertwende

1. Weltkrieges

1938 - 1945

1945 - 1948

1948 - 1989

seit 1989

Die Bewohner- und
Häuserzahl


Papiermanufaktur

St. Matthäus-Kirche

Kapelle des Hl. Johannes
des Täufers


Schule und Schulwesen

Die Bürgermeister

Lokalkapläne und Pfarrer

Oberlehrer und
Schuldirektoren