banner

Chronik von Wermsdorf - anläßlich der 450 Jahr Feier

Die St. Matthäus-Kirche und das Pfarrleben in Wermsdorf

Das bedeutendste Kultur- und Geschichtsdenkmal, das in Wermsdorf erhalten ist, ist zweifellos die Kirche des Hl. Matthäus. Die ursprünglich gemauerte Kapelle hatte der wermsdorfer Erbrichter Matthäus Hielscher zu Selbstkosten wahrscheinlich im Jahre 1711 erbauen lassen. Es ist überliefert, dass er es nur deswegen getan hat, damit allein die Stelle und die Grundstücke des Erbgerichts von den "Nachtmahren" befreit wurden. Die Kapelle wurde gegenüber dem Erbgericht gebaut, sie war 3 Klafter breit, 5 Klafter lang und hatte einen Glockenturm mit einer Glocke. Wolný schreibt, dass die Kapelle am Friedhof gebaut wurde. Es ist aber wahrscheinlicher, dass der Friedhof erst nach dem erbauen der Kapelle, in derer unmittelbarem Umfeld, entstanden ist. Die Kapelle wurde in amtlichen Schriften "Privatkapelle" bezeichnet und es ist uns ihr Gründungsrevers nicht erhalten geblieben. Das bezeichnet, dass die Kapelle gegenüber den Gewohnheiten nicht vorher angemeldet und vom Konsistorium in Olmütz nicht bewilligt worden ist. Deswegen ist uns die erste schriftliche Erwähnung der Kirche erst aus dem Revers (Vertrag) vom 28. Januar 1712, in dem die Wermsdorfer schriftlich dem Konsistorium über den Stand und die Form ihrer Kapelle referiert und beantragt eine kleine Lizenz für die Lesung der Seelenmesse und auch um Erlaubnis bei der Beerdigung Glockenläuten zu dürfen, erhalten. Durch das Revers (Vertrag) vom 15. März 1713 wurde gestellt, dass am wermsdorfer Friedhof nur einheimische Toten beerdigt werden sollen, deren in der hiesigen Kapelle eine Seelenmesse gelesen wurde. Alle anderen werden fernerhin auf dem zöptauer Friedhof beerdigt. In diesem Jahr wurde auch schon eine Orgel im Inventar genannt.
Mit dem Vertrag vom 25. Februar 1773 hat der damalige wermsdorfer Erbrichter Johann Gabriel um Erteilung einer kleinen Lizenz für die Sonn- und Feiertagsgottesdienste beantragt, damit die Wermsdorfer nicht mehr in das entfernte Zöptau gehen müssen. In diesem Zusammenhang hatte er auch auf den verkommenen Zustand der Kapelle aufmerksam gemacht, bei der man den Turm und das Dach reparieren sollte und er hat erwähnt, dass man die Kapelle insgesamt vergrößert werden sollte. Er hat empfohlen, zu diesem Zweck 300 Gulden aus dem Kirchenvermögen zu nehmen, das zu dieser Zeit insgesamt 506 Gulden betragen hat. Auf Grund der Zustimmung des Konsistoriums wurden die nötigen Reparaturen durchgeführt und die Kirche wurde auch vergrößert. Wolný führt auf, dass nach dem Umbau die Kirche 4,5 Klafter breit und 13 Klafter lang war, was eigentlich bedeuten müsste, dass die ursprüngliche Kapelle ganz abgerissen und wieder ganz neu erbaut werden müsste. Das scheint aber nicht sehr wahrscheinlich. Vielmehr scheint es, dass der östliche Teil der Kapelle mit dem Presbyterium erhalten wurde (die ursprüngliche Länge des Schiffes kann man von der Länge des Simses ableiten, der an der Kirchenwand erhalten geblieben ist) und dann östlich erweitert wurde. Neu erbaut musste in diesem Fall auch der Kirchturm.
Im Dezember 1776, nach Beendigung dieser Reparaturarbeiten, hat der wermsdorfer Erbrichter Johann Gabriel im Namen der Gemeinde das Konsistorium "wegen wesentlicher Entfernung von Zöptau, derer Überwinden den armen und alten Menschen im Winter große Probleme gemach hatte" gebeten, einen Lokalkaplan ins Dorf zu berufen. Die Gemeinde hat sich verpflichtet, den Kaplan zu Versorgen und für ihn in der Nähe der Kirche ein Pfarrhaus zu errichten. Die Wermsdorfer haben beantragt, dass ihre erneuerte Kapelle den Status der Kirche erreicht. Das Olmützer Konsistorium hat sich wahrscheinlich zu diesen Bitten entgegenkommend gestellt, weil schon im Jahre 1777 wurde die Kapelle tatsächlich eine Kirche genannt und als Lokalkaplan hatte hier der Pater Josef Sedlatschek, ein gebürtiger Buchelsdorfer, Zisterziensermönch aus dem Kloster in Welehrad, dem das wiesenberger Herrschaftsgut gehörte, angefangen zu wirken. Sedlatschek ist dann in Wermsdorf geblieben auch nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1784. Zur Erinnerung dieser bedeutenden Begebenheit haben die Wermsdorfer eine Specksteinsäule mit der Statue des Hl. Johann von Nepomuk machen und bei der Kirche hinstellen lassen, die bis heute die äußere Wand des Presbyteriums schmückt.
Die Wermsdorfer "Expositur" (ein Seelsorgebezirk ohne eigene Vermögensverwaltung) wurde durch das 2500 Gulden Kapital gesichert, das mit einem 4% Zins angelegt wurde von einem nicht genannten Wohltäter. Die Gemeinde hat dann die jährliche Gabe von 50 Gulden gewährleistet und das Kloster Welehrad, als die wiesenberger Herrschaft, hat jährlich zur Erhaltung der Lokalie (Filialkirche) außer 16 Klafter Holz noch 5 Maß Bier aus der Wiesenberger Brauerei geschenkt. Die Gemeinde hat auch versprochen 4 Metzen (1Wiener Metze = 1918m²) Grundstück zum Bau eines Hauses für den Kaplan und hat auch versprochen das Kaplanhaus zur Selbstkosten zu bauen, wie es gleich im Jahre 1777 auf dem Grundstück unter dem Erbgericht passiert ist. Dafür musste der Kaplan 50 Messen jährlich für die Pfarreiwohltäter lesen. Erst im Jahre 1787 hat die wermsdorfer Kirche ein herrschaftliches Patronat bekommen (zu der Zeit war die Herrschaft ein so genannter religiöser Matrix - also der Staat), was eigentlich finanzielle Hilfe bei Ausrüstung und Pflege der Kirche zu bedeuten hatte. Die staatliche Herrschaft hat danach den Kaplan aus dem religiösen Fond unterstützt, zudem er noch eine jährliche Rente (Gehalt) von 61 Gulden bekommen hat und 4 Metzen Äcker, Wiesen und Gärten besessen hat, die, wie der Wolný schreibt, im Jahre 1845 entwässert worden sind und wo bis zum Jahre 1855 etwa 200 edle Obstbäume gewachsen sind.
In der Literatur über die Geschichte Wermsdorfs ist aufgeführt, dass die Gemeinde im Jahre 1777 als eine selbstständige Pfarrei ausgegliedert wurde. Es handelte sich aber nur um die Einsetzung eines Kaplans. Zum Bilden einer "Lokal-Curatie" mit einem eigenen Kooperator, die aber weiterhin unter die zöptauer Pfarrei unterlegt hatte, kam es erst im Jahre 1785. Auch die Messstola wurde nach Zöptau abgeführt. Eine selbstständige Pfarrei wurde in Wermsdorf wahrscheinlich erst im Jahre 1875 errichtet. Die Gemeinde ist noch anfangs des 19. Jahrhunderts unter das Dekanat in Römerstadt, danach unter das schönberger Dekanat.
Im Jahre 1836 hat der damalige Patron, der Graf Mittrowský, der gleichzeitig auch der Eigner der Herrschaft war, mit einem Aufwand von 66 Gulden und 22 Kreuzer eine kleine Sakristei an der Südseite der Kirche und ein Oratorium für die herrschaftlichen Beamten, soweit sie an der Messe teilgenommen haben, anbauen lassen.
Die letzte größere Änderung hat die Kirche im Jahre 1851 durchgemacht. Das Pfarramt hat mit den neuen Kirchenpatronen, den Gebrüder Klein von Wiesenberg, eine Generalüberholung der Kirche, schon im Frühjahr 1847 ausgemacht, weil das Dach des Kirchenschiffes sehr beschädigt war. Die revolutionären Begebenheiten im Jahre 1848 und die Folgen der Abschaffung der Fronarbeit haben aber die Kleins gezwungen, alle ihre Bauvorhaben zu verlegen. Letztendlich, mit Hilfe der Pfarrgemeinde, haben sie die Totalrenovierung der Kirche gestiftet, die bei der Gelegenheit mit einer Decke versehen und ausgemalt wurde, teils neu mit Schiefer gedeckt und mit neuen Rinnen erst 3 Jahre danach im Jahre 1851 versehen wurde. Repariert wurde auch die Kirchenorgel und in der Leistungsbeschreibung wurde auch der Bau der Treppe in den Turm und ein Anbau des Vorhofs aufgeführt. Heute ist es nicht ganz klar, was hat man mit dem Vorhof gemeint. Die zuerst gedachte Erweiterung der Kirche für 465 Gläubige, welche die Kapazität auf 1500 Personen vergrößern sollte, wurde von den Patronen aus finanziellen Gründer abgelehnt. Die Kirche des Hl. Matthäus wurde danach im Jahre 1864 noch mit einem neuen Schieferdach versehen.
Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts sind im Kirchturm nach den Inventarlisten 2 Glocken gehangen. Die beiden ursprünglichen Glocken waren in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts beschädigt und wurden erneuert. In der Chronik der Pfarrei steht geschrieben, dass die größere Glocke dem Hl. Josef geweiht und im Jahre 1875 der wermsdorfer Kirche von dem Bauer Josef Vöth gestiftet wurde und die kleinere Glocke haben die wermsdorfer Pfarrgemeindemitglieder im Jahre 1882 gekauft und der Mutter Gottes und dem Hl. Matthäus weihen lassen. Diese kleine Glocke hatte eine interessante Geschichte. Ursprünglich hing sie in der Kapelle der Hl. Freifaltigkeit am Fellberg bei Marschendorf. Nach dessen Auflösung im Jahre 1785 wurde die Glocke in den Kirchturm der wermsdorfer Kirche überführt, wo sie bis zum 18. April 1882 geläutet hat. An diesem Tag, durch einen Unglücksfall beim Alarmläuten beim Brand des Hilbert-Bauernhofes, Haus Nr. 116, ist die Glocke zersprungen. Noch in diesem Jahr haben die Pfarrgemeindemitglieder eine neue Glocke beim der Firma Hilzer in Wiener Neustadt gießen lassen. Wo dann auf dem Kirchendach im Jahre 1876 ein Dachreiter (kleiner Turm) gebaut wurde, hat man hier eine Glocke hingehängt, mit der dann bei Todesfällen geläutet wurde.
Eine kleinere Orgel auf dem hölzernen Kirchenchor haben die wermsdorfer Pfarrgemeindemitglieder wahrscheinlich sehr kurz nach der Auflösung des Dominikanerklosters in Schönberg im Jahre 1784 aus dem Inventar der Klosterkirche gekauft. Ende des 19. Jahrhunderts hat das Instrument nicht mehr ausgereicht und deshalb hat sich das Pfarramt an die Orgelbauerfirma "F. Kolb & Söhne" im nahen Beckengrund gewendet, mit dem Auftrag eine ganz neue Orgel zu bauen. Am 15. Oktober 1903 hat der olmützer Domkapelmeister, Komponist und Orgelabnehmer Josef Nesvera abgenommen und seine Beurteilung war sehr wohlwollend.
Aus dem Mobiliar des Presbyteriums wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Hauptaltar, Das Bildnis des Hl. Matthäus von Ignaz Raab, ein einfaches Schranktaufbecken und die Kanzel aufgeführt. Im Jahre 1853 wurden auf Kosten der Pfarrgemeinde und der Privatspendern aus Wermsdorf der Hauptaltar und auch das Altarbild mit einer Alabasterskulptur neu geschmückt und vergoldet. Im Jahre 1884 hat dann der hiesige Schreinermeister Josef Haunschild einen neuen Seitenaltar hergestellt, der dann an der Nordseite des Kirchenschiffes hingestellt wurde. Im Jahre 1888 hat dann wieder der Hauptaltar eine neue Verzierung bekommen. Die Arbeiten hat der Maler Anton Aust aus Adamsthal, der noch im selben Jahr für die wermsdorfer Kirche auch einen Kreuzweg gemalt hat.
Seit dem Jahr 1883 ist auf dem Turm auch eine Turmuhr angebracht. Diese Uhr hat der wermsdorfer Schlossereiautodidakt Johann Rotter, der Inhaber des Anwesens Nr. 118, daheim erbaut, ohne jedwede Vorbereitung, Ausbildung und Schlosserwerkstatt und hat sie mit einer Sonderschenkungsurkunde der Gemeinde geschenkt.
Im Jahre 1892 hat der hiesiger Zimmermannmeister Franz Langer die Blechbedachung des Kirchturms mit einer Ölfarbe gestrichen. Der damalige wermsdorfer Pfarrer Schamschula hat auf eigene Kosten eine Blechkuppel mit einem Kreuz fertigen lassen, wohin er auch dann eine Kapsel mit dem ursprünglichen Eintrag aus dem Jahre 1825 (wo die Kuppel ausgetauscht wurde) hineingelegt hat. Er hatte auch ein aktuelles Gedenkblatt ausstellen lassen, das dann zusammen mit ein Paar damals gültigen Münzen in die Kapsel hineingelegt wurde. Das alles ging während der allgemeinen Aufmerksamkeit der Wermsdorfer vor, begleitet mit einer feierlichen Prozession und einem Volksfest.
Der Vater Schamschula war offensichtlich ein sehr aufopfernder Geistlicher, der selbst viele Umbauten und Reparaturen in der Kirche bezahlt hat. Z.B. im Jahre 1893 hat er auf seine Kosten das Kirchenschiff ausmalen lassen und ein Jahr später (1894) hat er den Hauptaltar demontieren und mit einer neuen Grundmauer versehen lassen. Als ob die Gemeinde nicht zurückbleiben wollte, hat sie die Außenmauerfassade der Kirche mit einer grauen Farbe anstreichen lassen.
Dagegen der Nachfolger vom Pfarrer Schamschula, der Pater Rudolf Frycaj, ist von Anfang seiner Tätigkeit mit den Wermsdorfern in Konflikt geraten. Die Chronik der Pfarrei erwähnt, dass im Jahre 1904 ein Streit über die Pflege eines Zaunes, der den Pfarrgarten begrenzt hat, seiner Meinung nach die Gemeinde nach dem Vertrag aus dem Jahre 1777 sicherstellen sollte und ein Jahr später (1905) entflammte ein Prozess darüber, wem der örtliche Friedhof und seine Pflege gehört. Schließlich wurden die Rechte und Pflichten über den Friedhof der Gemeinde zugesagt. Noch eine kompliziertere Beziehung zu seiner Pfarrgemeinde hatte ein weiterer tschechischer Geistlicher, der in Wermsdorf gewirkt hat, Pater Frantisek Kubitschek. Das bezeugt sein Eintrag in der Chronik der Pfarrei, ganz mit Abneigung zu den Wermsdorfern ausgefüllt, die er als "gottlose, verlogene und brutale Menschen" und Wermsdorf dann als "das schlimmste Dorf in ganzem schönberger politischen Bezirk" bezeichnet. Pfarrer Kubitschek ist auch des Öfteren mit den Mitgliedern des Kirchenchores in Konflikt geraten, die dann sogar das Mitsingen abgelehnt haben. Trotzdem wurde er im Herbst 1931 in die Gemeindevertretung als Kandidat der Christlich-Demokratischen-Volkspartei gewählt.
Trotz der ständigen Konflikte kam es zu dieser Zeit in der Kirche zu einigen bedeutenden Verschönerungen und Modernisierungen. Z.B. im Jahre 1931 hatte man neue Kirchenbänke in einem Teil der Kirche hergestellt und der Fußboden im Gang zwischen den Bänken neu gefliest. Die Bänke wurden dann noch in den nächsten Jahren erneuert. Im Jahre 1935 hat die Pfarrei wieder ein Teil des Bodens neu fliesen, das Interieur ausmalen, die Fenster austauschen und eine elektrische Leitung in das Kirchenschiff für die Beleuchtung legen lassen. Es wurden in diesem Jahr auch noch 4 neue Statuen - Hl. Aloysius, Hl. Judas Thaddäus, Hl. Franz von Assisi und Hl. Theresia vom Kinde Jesu angeschafft.
Nach dem Unterschreiben der Münchener Konvention musste Pfarrer Kubitschek Anfang Oktober aus Wermsdorf weggehen. Noch vor dem Eintreffen des neuen Geistlichen, des Paters Alfred Rohrsetzers, hat sich die Pfarrgemeinde entschieden das Pfarrhaus zu rekonstruieren. Der Pfarrer hat dann bis zum November 1939 im Pfarrhaus in Groß Ullersdorf gewohnt, und nach Wermsdorf ist er nur etwa 2x in der Woche gekommen. Die Rekonstruktionsarbeiten haben im Mai 1939 begonnen. Es wurde notwendig die Gesamtsanierung des vernachlässigten Pfarrhauses durchzuführen, neue Holzfußböden im Erdgeschoß zu legen, die durch Feuchtigkeit vernichtet wurden, und auch moderne Sozialeinrichtungen mit Bad und Toilette zu bauen.
Sehr bewegten Schicksal hatten in Wermsdorf in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die Kirchenglocken. Zuerst wurden beide Glocken beschlagnahmt, höchstwahrscheinlich schon am 7. Oktober 1916. Es ist nur die kleine Glocke im Dachreiter (im kleinen Turm) belassen worden. Schon im Jahre 1922 hat die Pfarrgemeinde eine neue Glocke gekauft, die der Pfarrer Kubitschek am 1. Oktober 1922 geweiht hat und am 21. Mai 1923 wurden 2 weitere Glocken in der Pfarrgemeinde geweiht - eine für die Pfarrkirche in Wermsdorf und eine für die Kapelle im Freiheitsberg.
Auch in der Sache der Glocken kam es zwischen Pfarrer Kubitschek und der Gemeinde Wermsdorf zu einem Zwist. Es handelte sich um das Recht der Gemeinde über die Glocken zu verfügen und sie läuten lassen bei Naturkatastrophen, Feuer usw. Pfarrer Kubitschek war gegen die Ansprüche der Gemeinde und im August 1930 kam es bis zur Bezirkshauptmannschaft in Schönberg, wo man dann zu Gunsten der Kirche entschieden hat.
Die dritte, letzte, Glocke, die für die Wermsdorfer Kirche zwischen den Weltkriegen gekauft wurde, haben die Wermsdorfer Pfarrgemeindemitglieder am 6. August 1931 in den Kirchturm aufhängen lassen. Die Glocke wurde feierlich durch den Wiesenberger Pfarrer Josef Rýpar geweiht.
Im Januar 1942 wurden nach dem Erlass des Reichsinnenministeriums alle Glocken bis auf die kleinste, die im Dachreiter (im kleinen Turm) hing, nochmals für Armeebedarf beschlagnahmt. Die Chronik der Pfarrei führt Gewicht der beschlagnahmten Glocken 300 kg und 150 kg auf. Bei der Gelegenheit kam es zur Anforderung der 58 kg schweren Glocke aus der Kapelle in Freiheitsberg. Die Wermsdorfer Dachreiterglocke wurde später in den großen Kirchturm umgehängt.
Nach dem Jahre 1946 wurde die Pfarrei in Wermsdorf nicht mehr mit einem Geistlichen versehen. Ihre Verwaltung wurde "Excurrendo" (ein Pfarrer kommt von auswärts um eine Hl. Messe zu zelebrieren) durch den Zöptauer Provisor, Pater Josef Senkyrík, gesichert. Die Pfarrei wurde danach unter Zöptauer Pfarrei belassen und in den Jahren 1959 - 1969 wurden sie gemeinsam "Excurrendo" durch die Geistlichen aus den nahe gelegenen Pfarreien verwaltet. Die Pfarrei hat insgesamt unter Nachkriegsentwicklung gelitten. Nach den Einträgen in der Pfarrchronik kamen im Jahre 1974 zu den Sonntagsgottesdiensten nur 10 Gläubige, es wurden praktisch keine Taufen, Hochzeiten und auch keine Beerdigungen in der Kirche ausgerichtet, und die Hl. Messen wurden nur an Samstagen gehalten. Diesen Zustand konnte man auch an der Pflege der Kirche sehen, die nicht besonders in Stand gehalten wurde, es kam nur zur zeitweiligen Dachreparaturen, sodass die Kirche sich anfangs der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts in einem unerfreulichen Zustand befunden hat. Besser stand es auch nicht um das restliche Inventar der wermsdorfer Pfarrei. Im August 1969 ist das Pfarrhaus abgebrannt und es wurde nicht mehr erneuert. Im Jahre 1974 musste man in der Kirche eine Generalüberholung der Exterieure durchführen. Es wurde das Dach erneut repariert, die Türen zu allen 5 Eingängen hergestellt und die Kirche wurde von außen verputzt. An den Reparaturen haben sich außer den von Pfarramt angeheuerten Maurern und Arbeitern auch die wermsdorfer Pfarrgemeindemitglieder beteiligt.
Nach der Änderung der Gesellschaftlichen Verhältnisse Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Kirche schon in so schlechtem Zustand, dass das Wasser hinein gedrungen ist und das ganze Gebäude sehr feucht wurde. Deswegen hat sich die Gemeinde Wermsdorf zusammen mit dem Pfarramt Groß Ullersdorf, das die Pfarrgemeinde verwaltet hat, entschlossen, die Kirche zu rekonstruieren. An diesen Rekonstruktionsarbeiten haben sich finanziell auch die deutschen Landsmänner beteiligt. Schon im Jahre 1999 kam es zum Entfernen den ursprünglichen Specksteinfliesen im Kirchenschiff und zu ihrem Ersetzen durch Terazzofliesen (Betonplatten). Im Herbst 2001 hat man die ursprüngliche Schieferbedachung entfernt. Dabei wurde festgestellt, dass das Dachgebinde sehr beschädigt war, sodass man die ursprünglich nicht geplanten Zimmermannsarbeiten durchführen musste. Das Dach wurde neu mit dem Dachdeckermaterial BETERNIT gedeckt. Bei dem Anlass, die Blechkuppel mit dem Kreuz auf der Turmspitze zu renovieren, hatte man die Gedenkblätter mit den Münzen und Banknoten aus den Jahren 1825 und 1892 gefunden. Die Kapsel war beschädigt und wurde neu hergestellt und vor der Installation auf dem Turm hat man auch das neueste Gedenkblatt dazugelegt. Gleichzeitig mit der Dachreparatur wurde auch die Fassade im oberen Teil des Turmes renoviert und geweißelt.
Im Laufe des Jahres kam es dann zu Rekonstruktion des Interieurs, wo man eine neue Decke aus Gipskarton eingebaut hat, das Mauerwerk ausgetrocknet, den Wandputz ausgebessert und neu angestrichen. Ein Streifen in Höhe von 2 m hatte man frei gelassen, damit es zur Austrocknung des Grundmauerwerkes kommen kann. In der so renovierten Kirche hatte man bei der Kirchweih, zur Gelegenheit des Patroziniums der Kirche, am 28. September 2002 zur Hl. Messe, die der Pater Frantisek Petrík zelebrierte, etwa 100 Pilger aus breitem Umkreis willkommen geheißen.
In den folgenden 2 Jahren (2003 - 2004) kam es zur Austrocknung des Mauerwerkes der Kirche und zur Ausbesserung der äußeren Fassade und zu ihrem Weißanstrich. Bei der Gelegenheit der Beendung dieser Arbeiten wurde im Jahre 2003 an der Südseite des Turmes eine Tschechisch - Deutsche Gedenktafel angebracht, die bei der Kirchweih im selben Jahr der Olmützer Weihbischof Msgr. (Monsignore) Josef Hrdlicka geweiht hatte. Im Jahre 2003 wurde durch den akademischen Bildhauer Bohumil Teplý auch die Statue des Hl. Johann von Nepomuk an der Westseite der Kirche neu restauriert. Bei dem Abbau der Zahl der Pfarreien in der Diözese Olmütz wurde die wermsdorfer Pfarrei aufgelöst und als Lokalie (Filialkirche) zur Pfarrei Zöptau angegliedert.

Inhalt der Chronik:

Umgebung

Geologischer Aufbau

Bergbau und
Mineralienfundorte


Hydrologie

Flora und Fauna

Naturdenkmale

16. Jahrhundert

17.Jahrhundert

Hexenprozesse

18. Jahrhundert

Anfangs des
19. Jahrhunderts


Mitte des
19. Jahrhunderts


2. Hälfte des
19. Jahrhunderts


Jahrhundertwende

1. Weltkrieges

1938 - 1945

1945 - 1948

1948 - 1989

seit 1989

Die Bewohner- und
Häuserzahl


Papiermanufaktur

St. Matthäus-Kirche

Kapelle des Hl. Johannes
des Täufers


Schule und Schulwesen

Die Bürgermeister

Lokalkapläne und Pfarrer

Oberlehrer und
Schuldirektoren