banner

Eine Kurzfassung der Siedlungsgeschichte

Durch Funde, beispielsweise in den Lautscher Höhlen oder an der Mähr-Pforte zwischen Gesenke und Beskiden lässt sich nachweisen, dass das Sudetenland bereits vor 30-40000 Jahren besiedelt war. Auf der Suche nach Nahrung und neuen Jagdgründen dürften diese Jäger bis in unsere Wälder vorgestoßen sein. In der Umgebung von Wermsdorf, Ullersdorf und Buchelsdorf gefundene Waffen aus Stein bestätigen diese Annahme. Die bei Unter-Wisternitz geborgenen ca. 1000 Mammutskelette besagen auch, dass sich diese Menschen schon recht erfolgreich mit der Jagd beschäftigten.

In der Jungsteinzeit vor etwa 7 - 4000 Jahren besiedelte ein neues, aus Mesopotamien, dem biblischen Zwischenstromland, kommendes Volk die fruchtbaren Gebiete am Unterlauf der March und ihren Nebenflüssen. Ihnen war Ackerbau und Viehzucht nicht fremd, auch besaßen sie die Fertigkeit, mit Mustern versehenes Geschirr aus Ton herzustellen. Sie bauten sich Hütten und siedelten in Dörfern. Vor ungefähr 4 - 2000 Jahren wanderten dann die Kelten ein. Sie verstanden schon mit Metallen umzugehen und begründeten die Bronzezeit (ca. 200 - 400 vor Christus) und die Wiesenzeit (400 - 0 v. Chr.). Aus den bekannten Edelmetallen fertigten sie ihren Fürsten kunstvollen Schmuck und reich verzierte Waffen.

Später wurden Böhmen und Mähren von den Bojern besetzt, die Sudeten und Karpaten von den gallischen Kothinern. Diese Völker betrieben bereits Bergbau. Die nunmehr einströmenden Markomannen und Quaden verdrängten die Kelten bis auf kleine Reste. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht unternahmen die Römer einen missglückten Versuch, ihren Grenzwall (Limes) bis an das Sudetengebirge heran zu schieben. Etwa 500 Jahre später durchzogen die Elbgermanen gleichzeitig mit den Vandalen und Langobarden unser Gebiet auf dem Weg nach Norditalien. Nach der Völkerwanderung (ca. 550 n. Chr.) strömten aus der Weichselgegend Slawen in das frei gewordene Land und besiedelten vornehmlich die fruchtbaren Ebenen und breiten Täler. Das friedliche Nebeneinander leben mit den Ureinwohnern währte so lange, bis sie von den aus Asien hereinbrechenden Awaren unterjocht wurden. Aus dem Westen kamen die ersten Franken und Bayern. Der Franke Samo (624 - 681) beendete die Zeit der Unterdrückung und wurde König der Slawen. In der Herrscherzeit Karl des Großen (645 - 681) könnten dann noch mehr Franken nach Nordmähren zugeströmt sein, die Gründung von Frankstadt lässt darauf schließen. Nach Berichten soll Karl der Große selbst in Nordmähren gewesen sein. Ob er dabei den römisch-christlichen Glauben verteidigen wollte, oder ob es ihm mehr um den großen Schatz der Awaren (15 vierspännige Ochsenkarren) ging, den er in seine Residenz nach Aachen holen wollte, ist nicht verbürgt.

Es entstanden mehrere starke slawische Adelsgeschlechter, von den Premisliden bis zu den Zierotienen. Die fruchtbaren Gegenden reservierten sie für ihr Volk, für die Täler und Gebirge holten sie Siedler, vor allem Bergleute aus dem Westen und statteten sie mit vielen Freiheiten, u.a. durch Verleihung des Deutschen Stadtrechts aus. Dadurch sorgten sie für freie Entfaltung und nachfolgendem Wohlstand. Besonders der nachfolgende Kanzler von König Promysl Ottokar II., der Olmützer Erzbischof Graf Bruno von Schaumburg-Holstein (1245 - 1281), verstand es sehr geschickt, durch die Gründung von ca. 40 Dörfern das damals dünn besiedelte Nordmähren zu bevölkern. Dazu holte er Adlige, Handwerker und besonders junge Menschen aus seiner Heimat. Sollte etwa der Rattenfänger von Hameln einer seiner Werber gewesen sein?
Aus der Geschichte unseres Heimatortes

In dem Buch "Die Besiedlung des deutschen Nordmähren im 13. und 14. Jahrhundert" heißt es u.a.: "Im Mertatal, eingebettet zwischen Ameisenhübel und Schieferheide, am Fuß der Berge, liegt Wermsdorf." Nach Daten, die aus dem Schlossarchiv Ullersdorf stammen, soll der Ort von Bergleuten und Köhlern um 1300 gegründet worden sein. Es ist dort auch die Rede von einem Magneteisensteinlager, schätzungsweise handelt es sich um den Erzberg. Die Stollen wurden wahrscheinlich von der "Kleinen Seite" aus in den Berg getrieben. Diese Annahme kann mit derÜüberlieferung gestützt werden, dass auf dem Felde des Joh. Scholz beim Pflügen auf einmal Pferd und Pflug vom Erdboden verschwanden. Das Gespann war in einen ehemaligen Stollen eingebrochen. Verschüttete Stolleneingänge gab es in der Gegend einige. Es könnte sich aber genauso gut um die Erzlagerstätte beim Bauern Frank Eduard in Siebenhöfen handeln. Dort war der Stolleneingang und das sogenannte "Zachnhäusla" bis zuletzt erhalten (Zachn Frank). Schade, dass die Gemeindechronik in den Wirren des Jahres 1945 untergegangen ist.

In dem Bestreben, den Reichtum zu mehren, haben die Könige von Mähren und Böhmen verstärkt Bergleute aus dem Westen ins Land geholt, die mit ihrem Gefolge Kultur und gesellschaftliches Leben haben sollten. Der tschechische Geschichtsschreiber Palacky musste in einem Buch über "Die Geschichte von Böhmen" bekennen: "... Die Deutschen erwiesen sich dem Lande höchst nützlich." Auch die Breslauer Bischöfe schickten vom Kloster Kamenz aus verstärkt Bergleute nach Nordmähren. Die Gründungen Alt- und Neu-Goldeck (Altstadt und Goldenstein) entstanden in jener Zeit. Namensverwandtschaften mit Orten aus dem Glazter Bergland bestätigen die Vermutung, dass diese Zuwanderer auch die Gründer verschiedener Orte in Nordmähren sein könnten. Ein Lokator Werner aus Wernersdorf soll demnach der mutmaßliche Gründer unseres Heimatortes Wermsdorf gewesen sein. Interessant jedenfalls ist, dass Wermsdorf auch in uralten tschechischen Schriften ausschließlich nur unter der deutschen Bezeichnung geführt wurde. Die Schreibweise "Teplice = Wärmsdorf" scheint nicht lange benutzt worden zu sein. Demnach lebten wir in einer urdeutschen Ansiedlung.

An die Edelmetalle versuchte man weniger durch Bergbau zu gelangen, sondern war vielmehr bemüht, die durch Verwitterung und Auswaschen frei gewordenen Goldkörner zu suchen oder aus den Gebirgsbächen durch Waschen zu gewinnen. Daher stammten wohl auch die bei uns so oft vorkommenden Namen Seifen. Der größte Goldklumpen soll angeblich 1492 bei Zuckmantel gefunden worden sein. Er wog ca. 1,7 kg. Laut "Geschichte der Böhmischen Bergwerke" waren im 13. und 14. Jahrhundert tausende Menschen mit dem Goldwaschen beschäftigt.

Die geringen Möglichkeiten Feldfrüchte anzubauen, eine geringe Haustierhaltung, die Husittenstürme, das Nachlassen der Erzfunde und Krankheiten waren wohl die Ursachen, dass diese Siedlungsperiode ein vorzeitiges Ende fand. Laut Urkunde war Wermsdorf 1558 wieder eine Ödung - wie 20 andere Orte in der Umgebung auch.

Die Neubesiedlung, größtenteils in Form von Waldhufendörfern, setzte aber bald wieder ein. 1577 wird Wermsdorf schon wieder genannt. Bereits 1591 heißt es in einem Zinsregister über Wermsdorf: "... In diesem Dorf ist ein Erbgericht, 44 sesshafte Bauern und 16 Häusler." Namen, die noch bis zur Aussiedlung bei uns zu finden waren, waren damals schon vorhanden, wie z.B. Donig, Endlicher, Korger, Polner, Wanke, Winkler, Urban, Heinisch, Haunschild, Gabriel, u.a.. Zu jener Zeit taucht erstmals auch die Bezeichnung "Rödicht" auf, ein Beweis dafür, dass man durch Rodungen dem Wald immer mehr Ackerland zum Feldfruchtanbau abzugewinnen versuchte. Die Kolonie Freiheitsberg dürfte damals entstanden sein, die allerdings erst später zur Gemeinde kam.

Damit ist die Entstehungsgeschichte von Wermsdorf aber noch nicht zu Ende. Die folgende Zeit ist gekennzeichnet von der Vergrößerung des Lebensraums und der damit verbundenen Erhöhung der Einwohnerzahl. Auch die große Macht der Kirchen aus den umliegenden größeren Orten beeinflusst das Leben. Im weiteren Verlauf bestimmen die mehr oder weniger guten Erbrichter die Entwicklung des dörflichen Lebens. Es würde zu weit führen, hier alle uns bekannten Urkunden, Protokolle und Registerauszüge in allen Einzelheiten zu veröffentlichen. 
Wermsdorfer
Geschichten


Vorwort

Siedlungsgeschichte

Staatsbürgerschaften

Kriegsende

Sudetenland

Hexenprozesse

Die Merta

Wiesenbergische
Herrschaft


Erbrichter
Kirche + Pfarrer

Schule + Lehrer

Handel + Handwerk

Bergbau

Holzwirtschaft

Bergbauern

Ackerbau

Haustierhaltung

Jäger + Wilderer

Holzwoll

Papiermühle

Fremdenverkehr

Häuser

Lebenslauf

Bräuche

Herbst

Fülla-Marktla

Turnverein

Allerlei

Allerlei

Allerlei

Fahrschule