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Ein Blick auf das ganze Sudetenland

Bisher wurde mit Bedacht bei den meisten Beiträgen in dieser Chronik das Hauptaugenmerk auf die aller engste Heimat gelegt. Mit etlichen Zahlen soll aber auch einmal in Erinnerung gebracht werden, welche tatsächliche Bedeutung für ganz Europa das Sudetenland in jeder Hinsicht hatte. Vor ca. 800 Jahren war es noch ein unbewohntes Urwaldgebiet. Böhmische Könige riefen deutsche Bauern, Handwerker und Bergleute in das Land. Die Bewohner der bis in die neueste Zeit bestehenden Sprachinseln aber waren Nachkommen von Germanen, die bereits nach der Zeitwende dort sesshaft waren. Erst im 6. Jahrhundert besetzten die Slawen die fruchtbaren Ebenen dieses fast menschenleeren Landes. Fleiß, Können, Ausdauer und Wagemut schufen in Jahrhunderten ein blühendes Gebiet.

Das Sudetenland umfasste 26"160 qkm, war also größer als Hessen und fast so groß wie Belgien. Hier hatten 3"177"000 Deutsche ihre Heimat, hinzu kamen noch ca. 330"000 deutsche Einwohner der Sprachinseln, sie zählten also ungefähr gleich viele Einwohner wie Irland, Norwegen oder Dänemark.

Alle größeren Orte mit Ausnahme von Tabor wurden von Deutschen nach dem ihnen zugestandenen Deutschen Stadtrecht gegründet. Viele Flur- und Städtenamen wie Erzgebirge, Schlackenwert, Zinnwald, Silberberg, Goldenstein, Goldoppa deuten daraufhin, dass hier kostbares Edelmetall gefördert wurde. In Joachimsthal lagerten die größten Uranerzvorkommen Europas. Riesige Kohlenlager befanden sich beispielsweise in Brüx. In der Gegend von Mährisch-Altstadt und Heinrichsthal wurden bis in die Neuzeit ergiebige Graphitvorkommen ausgebeutet. Das Land besaß 27 anerkannte, zum Großteil weltbekannte Heilbäder, aus unserer engeren Heimat wären da Groß Ullersdorf und Karlsbrunn zu nennen. In Karlsbad allein entsprangen 16 warme Quellen, hier war der Treffpunkt gekrönter und ungekrönter Häupter - Goethe u.a. war 17mal Kurgast. Die Heilstätten in Gräfenberg und Nieder-Lindewiese, ganz in unserer Nähe, besaßen ebenfalls Weltruf. Wer denkt da nicht an unser beliebtes Heidebrünnel, dessen Wasser ebenfalls Heilwirkung zugeschrieben wurde.

Das Sudetenland zählte zu den höchst industrialisierten Ländern der Welt. Der Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft betrug ca. 51 %. Als Folge des Nachlassens der Erzgewinnung entstanden neue Handwerks- und Erwerbszweige wie Spitzenklöppelei, Handschuhnäherei, Spielwarenerzeugung, Musikinstrumentenherstellung, Glasbläserei und Glasveredelung, die bald Weltruf genossen. Besonders in Nordmähren, Ostböhmen und Schlesien entwickelte sich die Weberei zur Hochblüte, in vielen Häusern klapperten die Handwebstühle. Für die damalige Zeit riesige Seiden- und Stofffabriken wurden errichtet.

Die Tschechen wussten 1918 genau, warum sie gegen jedes Recht unbedingt die hoch entwickelten Sudetengebiete wollten, denn dort war zwischen 70 bis 90 % der gesamten Industrie der Tschechoslowakischen Republik beheimatet. Die Sudetendeutschen zahlten mehr als 60 % der Gesamtsteuern für die Gesamtrepublik. Hierzu einige Beispiele:

Außig war der größte Hafen in der k.u.k. Monarchie, größer als Triest. Schicht in Außig zählte zu Europas größten Herstellern für Kunstfette und Seife. In Schönbach im Erzgebirge wurden 1937 ca. 200"000 Geigen und Gitarren hergestellt. Gablonz beschäftigte mit seiner Schmuck- und Glasperlenindustrie etwa 150"000 Menschen, exportierte 1937 an die 330"000 kg unechte Edelsteine und Schmuckstücke in alle Welt. Graslitz erzeugte jährlich rund 120"000 Blech- und Holzblasinstrumente und Saxophone. Die Firma Kunert in Warnsdorf fertigte damals schon 10"000 Paar Strümpfe täglich. Hückel-Hüte aus Neutitschein besaßen Weltruf. Die größte Teppichfabrik der Welt stand in Maffersdorf bei Reichenberg. Der Saazer Hopfen wurde in alle Welt exportiert.

Auch mit einer beachtlichen Reihe von Technikern, Künstlern, Wissenschaftlern und Erfindern kann das Land aufwarten. Gustav Lillienthal baute unter anderem die Riesenbrücken von Philadelphia und Chicago, sowie die erste Hängebrücke über die Niagarafälle, Ferdinand Porsche, der Erfinder des Volkswagens, stammte aus Maffersdorf, Balthasar Neumann, einer der berühmtesten Baukünstler war Sudetendeutscher. Heimatsöhne waren auch Christ. W. Gluck, der Vater von Franz Schubert, der Opernsänger Leo Slezak (Mährisch-Schönberg-Wien), Ralf Benatzky. Erinnert sei an unvergessliche Dichter wie A. Stifter, Hans Watzlik, Viktor Heger und viele andere. Der sudetendeutsche Josef Reßel erfindet 1829 die Schiffsschraube. Drei Nobelpreisträger und drei österreichische Staatsoberhäupter nannten sich Sudetendeutsche. Für die Welternährung von enormer Bedeutung war die Entdeckung der Vererbungslehre durch den Augustinermönch Gregor Mendel aus Heinzendorf im Kuhländchen.

Trotz mangelnder Unterstützung seitens des Staates, war auch das Schul- und Bildungswesen hoch entwickelt. Vor allem mit der Errichtung der sogenannten Bürgerschulen war ein Schultyp geschaffen worden, der auf breiter Basis auch den weniger Begüterten großes Wissen vermittelte und so eine optimale Begabtenauslese ermöglichte. Die Aufzählung berühmter Namen könnte noch beträchtlich verlängert werden. Die vorstehenden Anmerkungen sollen lediglich einen kleinen überblicke darüber geben, welche unschätzbaren Werte in den Reihen der Sudetendeutschen ruhten, die von unseren Vertreibern aus blindem Hass leichtfertig vertan wurden.

Wermsdorfer
Geschichten


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Hexenprozesse

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