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Unsere Kirche und ihre Pfarrer

Vom Mittelort dorfabwärts kommend, konnte man beim Göttlicher Schmied die Hauptstraße verlassen. kircheNach ungefähr 100 m "Aanweg" zweigte beim Bauernhof des Josef Schnaubelt ein weiterer Weg links ab, führte quer durch den Hof, teilte die Felder des Dresel Josef und des Drösel Wilhelm, bis er die "Alte Wiese" erreichte. Weiter ging es dann steil bergauf in Richtung Steinbruch. Das Gelände des aufgelassenen Topfsteinbruches wurde im weiteren Verlauf links liegen gelassen, über Feldwege erreichte man dann das Endziel, die Zöptauer Pfarrkirche. Seit Menschengedenken hieß dieser Weg lediglich "Kirchensteig".

Er trägt diesen Namen auch mit Recht. Hier pilgerten, solange Wermsdorf noch ohne Kirche und Pfarrer war, die Gläubigen zu den Gottesdiensten nach Zöptau. Auch in neuerer Zeit wurde der Steig noch viel benutzt, bedeutete er doch die kürzeste Verbindung von Wermsdorf nach Zöptau und Rudelsdorf. Die Siebenhöfener "Spiritisten" marschierten da regelmäßig bei ihren Wanderungen zu den in Rudelsdorf stattfindenden Sitzungen.

Die Geschichte unserer Pfarrei ist mit der Geschichte der Pfarrei Zöptau eng verbunden. Bis 1. Mai 1777 gehörte der Ort zum "Zöptauer Kirchspiel" das aus vier Orten, nämlich Zöptau, Rudelsdorf, Kleppel und Wermsdorf bestand.

In Wermsdorf gab es allerdings schon seit 1713 eine Privatkapitalien mit Glocke und Orgel. Sie wurde vom damaligen Erbrichter Matthias Hielscher erbaut. Aber noch 1791 wurden die Wermsdorfer als ehemalige Pfarrkinder zum Neubau des von einem Blitz beschädigten Turms der Zöptauer Pfarrkirche herangezogen. Darunter war laut Urkunde auch der Wermsdorfer Maurermeister Langer mit vier Gesellen. Im Baubericht von damals heißt es lapidar: "Sie leisteten nicht viel, da sie nur einspännig fuhren." Die Zöptauer Pfarrkirche hatte ein recht wechselhaftes Schicksal zu bestehen. Bereits 1351 wird sie urkundlich erwähnt. 1553 wurde Zöptau protestantisch, 1631 mussten die Bewohner wieder katholisch werden. Diejenigen, die den neuen Glauben nicht annehmen wollten, wanderten entweder ab oder wurden vertrieben und wanderten manchmal noch jahrelang als sogenannte "Puschprediger" umher. Vielleicht ist die Bezeichnung "Predigstuhl" für den mitten in Wermsdorf befindlichen Kupferberg auf diese Zeit zurückzuführen. Nicht erwiesen allerdings ist, ob die von verschiedenen Besuchern des "Kupferlochs" dort entdeckten, in den Stein gehauenen Zeichnungen einer Hostie mit Kelch aus jener Zeit stammen. Andere Vermutungen gehen dahin, dass die Entstehung in die Zeit der Husitenstürme fallen könnte. Die 1713 in Wermsdorf erbaute Privatkapitalien wurde 1776 durch verschiedene An- und Umbauten bedeutend vergrößert. Die erste Turmuhr soll dem Vernehmen nach von einem Bauernausgedinger aus Holz geschnitzt worden sein. Der Friedhof wurde wohl schon damals nach außerhalb, an den Fuß des Dürren Berges, verlegt. Auf Betreiben des Wermsdorfer Erbrichters Johann Michael Gabriel und unter Mithilfe des Gutsverwalters von Welehrad, Freiherr Joachim von Stettenhofen, erfolgte im Jahre 1777 die Gründung der Pfarrei Wermsdorf. Dies ist einem Dokument zu entnehmen, das in der Spitze des Zöptauer Kirchturms gefunden wurde. Die Schrift wurde vom damaligen Pfarrer Ullrich verfasst. Der Pfarrer von Zöptau soll wegen des Kirchenbau und der Einsetzung eines eigenen Kaplans sehr "wütig" gewesen sein, hatte er doch durch den Wegfall der Gemeinde Wermsdorf ein Viertel seiner Vorteile verloren. In diesem Zusammenhang soll er den Freiherrn von Stettenhofen und den Erbrichter Gabriel "Flickschuster" genannt haben.

Wermsdorf war also nun Lokalkaplanei und unterstand ab 1788 der neuen Pfarrei Reutenau, diese wiederum dem Landesdechant von Schönberg. Als erster Lokalkaplan wurde der gebürtige Buchelsdorfer Josef Sedlaczek eingesetzt. Er kam vom Zisterzienserkloster Welehrad. Die Bezahlung des 300 fl betragenden Jahresgehalts erfolgte zum größten Teil aus den Zinsen jenes Garantiefonds, welchen die Gemeinde Wermsdorf erlegen musste, als sie die Anstellung eines Lokalkaplans verlangte.glockenweihe Den fehlenden Rest steuerte der Religionsfond bei. Nachstehen aufgeführte Seelsorger waren in den folgenden Jahren Hausherren unserer Kirche:

1777 - 1791 Josef Sedlaczek
1845 - 1881 Johann Lauer
1791 - 1808 Johann Lux
1881 - 1890 Josef Böß
1809 - 1820 Ignatz Stohl
1890 - 1899 Th. Schamschula
1821 - 1834 Johann Heinisch
1899 - 1916 Rudolf Fričay
1835 - 1842 Franz Mayer
1916 - 1938 Franz Kubiček
1843 - 1844 Anton Hatscher
1938 - 1946 Alfred Rohrsetzer

Die Kirche steht noch. Für die wenigen Gottesdienste, die gehalten werden, kommt ein Geistlicher von auswärts. Der Pfarrhof ist vor Jahren ein Raub der Flammen geworden. Unser Ortsbetreuer, Walter Jackwerth hat in dankenswerter Weise bei einem Besuch der alten Heimat das Läuten der nur noch einzigen Glocke in der Heimatkirche auf Band aufgenommen. Bei den alljährlichen in Besigheim stattfindenden Kirmestreffen können Besucher der Abendmesse die vertrauten Klänge hören.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch in der Kolonie Freiheitsberg eine Kapelle stand. Der alte Holzbau, mit Schindeln gedeckt, stammt wahrscheinlich noch aus der Gründerzeit. Das Kirchlein besaß auch eine Glocke, bei der feierlichen Einweihung war Baronin Emmi aus Wiesenberg Glockenpatin.

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