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Holz in den Mertatälern

Der nach dem Ackerbau wohl wichtigste Wirtschaftszweig war die Forstwirtschaft mit ihren Nebenbetrieben. Besonders nach dem Erlöschen des Bergbaus und der eisenverarbeitenden Industrien. Es muß hervorgehoben werden, daß diese Forstwirtschaft mit planmäßiger Aufforstung und Abholzung praktisch erst durch die Gebrüder Klein als Besitzer, also nach 1844 erfolgte. Während vorher mehr Raubbau betrieben wurde, auf Hartholz, das größtenteils verkohlt wurde für die Eisenindustrie, wenig Nadelholz als Bauholz und zum Ausbau der Gruben, so erfolgte um die Mitte des 19.  Jahrhunderts die Umstellung mit Vorzug der Fichte, die schnellwüchsiger, weniger kälteempfindlich und als Schnitt, Bau-, Gruben- und Papier- (Schleif-) Holz bis zur Rinde beßer absetzbar war. Wichtig war die Verbeßerung der Transportwege: Verlängerung der Eisenbahn von Hohenstadt nach Zöptau (1870/71), Ausbau der Straßen (Richtung Berggeist). Asphaltierung und gummibereifte Pferdewagen kamen erst kurz vor oder nach dem Krieg. In den Lagen unter 900 m blieb der Laubwald, besonders Rotbuche, vorherrschend als Brennholz und für die Parkettindustrie.

mann mit Pferdegespann und aufgeladenem Holz

Der Nutzen dieser planmäßigen Bewirtschaftung konnte naturgemäß für Weichholz erst nach etwa 80, für Hartholz nach 120 Jahren spürbar sein. Die Bauern machten diese Entwicklung größtenteils mit, blieben aber mit ihren kleinen Flächen meistens beim Mischwald, der ihnen Brenn- und Bauholz lieferte, selten aber zum Verkauf reichte. Es entstanden geschloßene Bestände oberhalb der ackerbaulich genutzten Vorberge ab etwa 700 m bis zur Baumgrenze bei etwa 1150 m Seehöhe. Das war sehr günstig für den Waßerhaushalt. Die darüber liegenden Heideflächen wurden früher zum Teil als Weide genutzt (Töpferhof, Ochsenheide), es wurde Heu für die Wildfütterung im Winter geerntet. Heidel-, Erd-, Preisel-, Himbeeren und Pilze gaben der armen Bevölkerung einen kleinen Nebenverdienst oder waren eine Bereicherung des sonst ärmlichen Speiseplans. Das Klima war ausgesprochen kontinental: heiße Sommer, oft sehr kalte Winter, abgeschwächt durch reichlichen Niederschlag. Wir fanden es zwar lästig, wenn schwerer Nebel und Wolken von SW-Winden durch die Talöffnung in unseren Keßel hinein gedrückt wurden und den über 800 m hohen Gebirgsgrad erst überwinden konnten, wenn sie entsprechend erleichtert waren. Schlimmer aber war es, wenn diese stark feuchten Luftmaßen durch Gewitter erschüttert, ihre Last als Wolkenbruch fallen ließen. Es waren Wetterstationen aufgestellt (Franzens Jagdhaus, Berggeist) die eine jährliche Niederschlagsmenge von über 1000-1300 mm maßen.

Fichten wurden größtenteils bis außchließlich von den Baumschulen des Tales geliefert. Der Anteil an Weißtanne, Kiefer und Lärche war sehr gering. Obwohl letztere ein ausgesprochener Gebirgsbaum ist, schnell wächst und sich durch seine schöne Maserung für Bauernmöbel und Innendekoration sehr gut eignet. Der Laubwald bis etwa 900 m brachte außer der Rotbuche sehr wenig Eiche, Esche, Spitz- oder Bergahorn, Ulme oder Birke. Er wurde wenig gepflanzt, sondern meistens der natürlichen Verjüngung überlaßen. Felder mit schlechtem Ertrag wurden oft aufgeforstet, wobei erste Fichtenbestände meistens kernfaules, also kein Nutzholz, lieferten. Der Hang mehr Fichten zu pflanzen war durch den höheren Ertrag (Zuwachs) gegeben, die Außicht Bauholz zu gewinnen, attraktiver. Laubholz trägt durch den jährlichen Blattfall mehr zur Bodenverbeßerung (Humuserzeugung) bei, deshalb wurde die Fallaubgewinnung als Viehstreu nicht gerne gesehen. Oberhalb der Waldgrenze stehen vereinzelt Fichtengruppen mit sehr geringem Zuwachs, die zwar kein Nutzholz lieferten, aber für die Verringerung der Erosion sehr wichtig sind. Die Anpflanzung von Latschen (Bergkiefern) war sehr umstritten wegen der Veränderung der Landschaft. Ab Ende des 19. Jahrhunderts war der Waldbestand jedenfalls 70 % Fichte, 20 % Rotbuche und 10 % andere Arten.

Die Baumschul- und Kulturarbeit im Wald (Verpflanzen der Bäumchen) wurde hauptsächlich von Frauen und Mädchen durchgeführt. Dazu kamen höchstens in sehr schwierigem Gelände und in der Arbeitslosenzeit männliche Jugendliche.

Wermsdorfer
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