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Die Haustierhaltung daheim

Sorgsam gehegt und gepflegt wurden sie alle, unsere nützlichen Helfer, unsere Haustiere. Wollte man aber versuchen, einen Gradmesser einzuführen, der über Wert und Wichtigkeit entscheidet, es wäre schwer, die Nummer eins zu finden. So wertvoll wie Pferd, Kuh oder Schwein für den Bauern waren, so manchmal lebensnotwendig war für die "Kleinen Leute" die Ziege und für viele das Geflügel.

Wohl in den meisten Bauernfamilien war für Monate das Schwein der einzige Fleischlieferant, der Speck mußte beispielsweise das ganze Jahr reichen. Unser Bauerngeräuchertes, aufbewahrt im kühlen böhmischen Gewölbe, behielt auch ohne chemische Mittelchen und ohne Tiefkühltruhe bis zum letzten Zipfelchen seinen köstlichen Geschmack. Es war eben echte Hausmacherware. Allgemein üblich war es, am Tage, an dem das Schwein geschlachtet wurde, die Nachbarn, besonders diejenigen die sich kein Schwein halten konnten und die Familien der braven Tagelöhnerinnen mit Sautanz zu beschenken. Dazu gehörte eine kräftige Wurstsuppe, sowie weiße (Leber) und rote (Blut) "Wurstgrapp". Ein lustiges Sprüchlein machte in diesem Zusammenhang immer wieder die Runde: "Votr on Muttr loosn schien grißn on schenkn a beßla vom Sautanz. Draßn vir dr Tir leit's." Solange das Schwein nicht geviertelt war und womöglich im Hof draußen hing, wurde es sorgsam bewacht. Denn welcher Hausvater wollte schon deswegen verlacht werden, wenn ihm das "Sauschwanzl" gestohlen worden war, das er dann womöglich noch einlösen mußte. Nur mit guten Zutaten wurden die Preßwürste und "Blunzen" gefüllt, die dann für längere Zeit in die mit Steinen beschwerte Quarkquetsche kamen. Viele Leber und Blutwürste wurden an so einem Tag gemacht, die dann in den folgenden Wochen die Hauptnahrung bildeten. Nicht umsonst wurde daher scherzhaft vom "schweinschlacht-heiligen Tag" gesprochen. Neben dem Tag, an dem der Flachsbauer seinen Flachs verkauft hatte, war es einer der wichtigsten Tage im Bauernjahr.

Was für den Bauern das Schwein, war für den Häuslemann die Ziege. Nicht nur, daß sie fast das ganze Jahr die köstliche Milch lieferte, aus der sogar Butter und Quark gemacht wurde, sondern auch deswegen, weil es dann um Ostern die lustigen Zicklein gab. Für die Kinder bedeutete es viel Spaß, wenn sie mit den munteren Tierlein spielen konnten. Nicht minder froh war Groß und Klein, wenn es jetzt mehrmals den köstlich schmeckenden "Zickerlbraten" gab. Nicht unerwähnt bleiben soll, daß sich auch manche Bauern Ziegen hielten, weil die Ziegenmilch dem alltäglichen Kaffee eine beßere Färbung gab.

Wer es sich nur einigermaßen ermöglichen konnte, fütterte eine Kuh. Man war dann Selbstversorger mit Milch, und hatte, wenn es gut ging, jedes Jahr ein Kalb zu erwarten. Wenn eine Kuh kalbte, gab es "Puutzbaba", das war die erste Milch, die nach besonderem Rezept in der Bratraine gebacken wurde und eine köstliche Speise ergab. In aller Regel war die Kuh bei den Gärtlern das alleinige Zugtier für die anfallenden Feldarbeiten. Die Kuhkälber wurden bei den Bauern "aufgestellt", d.h. weiter gefüttert, denn ganz selten wäre einem Bauern eingefallen, für teures Geld beim Viehhändler ein Kalb zu kaufen. Bei Notschlachtungen halfen sich die Viehhalter gegenseitig. Entweder wurde das Fleisch portionsweise an die Mitglieder verkauft oder man zahlte einen gewißen Betrag, wenn das notgeschlachtete Tier auf dem "Aasplatz" verscharrt werden mußte. Aber auch dort fand es oftmals in der folgenden Nacht wieder Abnehmer. Gestorben oder krank geworden ist von den "Aasgräbern" keiner. Alle Milchlieferanten waren Mitlieder der Molkereigenoßenschaft Mährisch-Schönberg. Jeden Tag fuhr ein anderer Bauer mit dem Milchwagen zur ca. 15 km entfernten Molkerei und brachte auf dem Rückweg die sogenannte Rücklieferung mit. Wer kein Gespann besaß, zahlte einen Unkostenbeitrag. Zum Teil wurde auch selbst gebuttert, bzw. Quark und Käse (Quargln) bereitet. Wie froh war man in den Kriegsjahren, daß man es noch nicht verlernt hatte.

Selbst im kleinsten Haus, wenn nur ein Auslaufplatz vorhanden war, gab es einen Hühnerstall. Körnerfutter besorgten entweder die Kinder mit "Ährenklauben" auf den Feldern oder man bekam es vom Bauern für den Taglohn. Auch mit der Kartoffelversorgung verfuhr man bei den Häuslleuten ähnlich. Im Winter holte sich der Bauer den Ziegen- und Hühnermist auf sein Feld, dafür durften sich die Tagelöhnerinnen etliche Zeilen Kartoffeln anbauen, die dann u.U. das ganze Jahr reichten. Vom Frühjahr bis Herbst suchten sich die Hühner einen Teil ihres Futters in freier Wildbahn und lieferten so jahraus und jahrein den Eierbedarf. Klappte es mit dem Eierlegen nicht mehr, landete der Vogel als gute Suppenhenne im Kochtopf. Ab und zu brach ein Fuchs oder Marder bzw. Iltis ein und holte sich seinen Teil. Für den Kükennachwuchs sorgte man so, daß man einer Henne mehrere Eier in ein besonders hergerichtetes Nest legte. Treu und brav saß sie dann und brütete, bis nach ca. 3 Wochen die Küken schlüpften. Als "Gluckhenne" verteidigte sie dann ihre Schar gegen alle möglichen Feinde. Die Bauern, denen die Futterbeschaffung keine Sorgen bereitete, hielten sich auch manchmal eine stattliche Zahl Gänse oder Enten, vereinzelt auch Puten. Da konnte es dann schon mal paßieren, daß eine Gluckhenne aufgeregt gackernd am Rande eines Waßers umherlief, während die Kleinen sich munter im Waßer tummelten, weil man ihr Enteneier zum Ausbrüten untergeschoben hatte. Jeder Vogel hat Federn, und das Kleid von unserem Federvieh war besonders geschätzt. Das ganze Jahr wurde fein säuberlich gesammelt, Gänse wurden mehrmals im Jahr gerupft, somit hatte man im Winter einen genügend großen Vorrat zum "Federnschleißen"1. Diese Tätigkeit war durchaus nicht anstrengend, eher unterhaltsam, und galt neben den althergebrachten Rockengängen zu den beliebtesten Möglichkeiten, daß sich Nachbarinnen und Frauen zu ausgiebiger Unterhaltung mit anschließendem Kaffee- und Kuchengenuß zusammenfanden.

Nur wer neben einer entsprechenden Anzahl von Feldern und Wiesen wenigstens ein Pferd besaß, konnte sich Bauer nennen. Schon daraus ist ersichtlich, daß das Pferd in jeder Hinsicht eine Sonderstellung einnahm. Es war aber auch erstaunlich, was diese meist kleinen, aber stämmigen Zugtiere zu leisten vermochten. Schwerarbeit auf manchmal recht steilen Feldern war selbstverständlich. Darüber hinaus zog ein Zweigespann meist mühelos den schweren, in der Regel mit mehr als zehn Festmetern Holz beladenen Fosichwagen2 auf den oft tiefgründigen Schotter-Straßen bis zur nahen Kreißtadt. Und wer erinnert sich nicht an die hoch beladenen "Klötzerfuhrwerke"? Diese Fuhrwerkerei war nicht ungefährlich, ganz gleich ob im Sommer oder Winter - aber sie war auch einträglich. Zum Lohn gab es auch bei den tagsüber eingelegten Pausen für die Pferde einen prall gefüllten Hafersack und duftendes Heu. Wichtig war, daß die Gäule immer gut "beschuht", d.h. gut beschlagen waren. Dafür sorgten schon unsere tüchtigen Hufschmiede. Gestriegelt und gebürstet wurden die treuen Helfer allemal, denn wer wollte schon mit seinen Füchsen, die in letzter Zeit mehr und mehr zu sehen waren, unangenehm auffallen. Nicht umsonst hieß es dann: "Wie dr Herr, su as Gscherr!" Für die Bauern bedeutete es ein großes Unglück, wenn ein Pferd vorzeitig zum "Schinder" (Pferdefleischer) mußte. Für den Donig Gärtner waren die Bauernpferde im Winter willkommene Lieferanten von "Pfaardkieslen", die er mit seinem Hundegespann auf der Straße sammelte.

"Sie leben zusammen wie Hund und Katz'!" Dieser Satz war in erster Linie negativ gemeint und galt Leuten, die sich gerne zankten, sich eben so verhielten wie ein fremder Hund und eine ebenso fremde Katze. Wie ein ganz anderes Bild der Freundschaft, ja Liebe, konnte man dagegen erleben, wenn sich im Hause der Waldi und die Mieze erst einmal angefreundet hatten, gemeinsam den Platz vor dem warmen Ofen behaupteten und das Futter teilten. Der Haushund war der brave Wächter, auch wenn er oftmals an die Kette gelegt werden mußte. Denn der Hund gehörte zum Haus und durfte kein Streuner sein oder womöglich allein auf Hasenjagd gehen. Dafür besaß er auch ein manchmal recht bequem eingerichtetes, eigenes Haus. Der Katze war als Hauptaufgabe der Mäusefang zugedacht, besonders im Herbst und Winter, wenn es galt, den Ansturm der lästigen Nager auf die Vorräte in Haus und Hof abzuwehren. Trotzdem waren vor allem Milch und andere leckere Sachen vor den naschhaften Mäusejägern nicht immer sicher.

Wie unterschiedlich sich die Bewertung der einzelnen Haustierarten ausdrücken ließ, konnten man aus den mannigfaltigsten landläufigen Außprüchen ablesen. So dürften Titulierungen, wie dreckiges Schwein, blöder Ochs, freche Ziege, falsche Katze, dumme Kuh oder alberne Gans bestimmt nicht in die Kategorie "Kosenamen" einzureihen sein, dagegen hörte sich doch sanfte Taube, treuer Hund, braves Pferd bzw. stolzer Hahn ganz anders an. Auch daraus ist ersichtlich, wie sehr das enge Zusammenleben zwischen Mensch und Tier die Verhältnißen auf dem Lande prägte. Alte Bräuche und Gewohnheiten um die Haustierhaltung hatten sich bis in die Neuzeit erhalten. So erhielten beispielsweise am Heiligen Abend alle Tiere vom Hausvater eine Sonderzuteilung Futter, auch wurde ihnen verkündet, daß an diesem Abend Christus geboren wurde. Nicht nur das Haus, sondern auch die Ställe wurden "eingeräuchert" und mit Weihwaßer besprengt.

Die Aufzählung wäre unvollständig, wollte man nicht auch unseren Honiglieferanten, den Bienen, etliche Worte widmen. Es waren zwar nicht allzuviele Bienenhäuser anzutreffen, dafür aber waren sie von beachtlicher Größe und die Bienenväter waren richtige Könner. Mit der Tabakpfeife bewaffnet, ausgerüstet mit der Bienenhaube, konnten sie im Bienenstock jegliche Arbeit verrichten, ohne daß sie von den Bienen gestochen wurden. Für Außenstehende konnte es aber schon gefährlich werden, besonders wenn die Bienen schwärmten und der Schwarm von seinem Ausflugsort wieder eingeholt werden mußte. Die vielen Blumen und blühenden Bäume im Tal boten den Bienen reichlich Gelegenheit für das Honigsammeln. Die Imker konnten mit Qualität und Ausbeute zufrieden sein, auch wenn im Winter mit Bienenzucker zugefüttert werden mußte.

Wermsdorfer
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