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Geschichtliches über die "Holzwoll"

Mit dem Kurzwort "Holzwoll" oder "Meierei" bezeichneten die Ortsbewohner die Holzwollerzeugung der Gebrüder Meier. Dieser Betrieb hat ein wechselvolles Schicksal erfahren, Reichtümer hat er keinem Besitzer eingebracht. Dabei waren alle guten Voraussetzungen wie billige Arbeitskräfte, billiger Materialeinkauf und Wasserkraft fast zum Nulltarif, gegeben.

1840 stand an der Stelle ein "Nagelhammer", dann nutzte der Erbrichter Kubitschek die Wasserkraft zum Antrieb einer Flachsbrechmaschine. Später wurden unter wechselnden Betreibern Schindeln und Gerberlohe erzeugt. Unsere Eltern wussten von einem Weiser zu erzählen, der manchmal zum Anzünden seiner Pfeife einen Zehn-Kronen-Schein verwendet haben soll - daher auch der Spitzname "Kronenweiser". Nach der Zerstückelung des Erbgerichts verfiel die Anlage. Um 1908 kaufte sie der mit einer Tochter des Erbrichter Kubitschek verheiratete Josef Krist aus Reitendorf. Dieser installierte eine Lichtanlage sowie eine Gattersäge und baute eine Holzwolle Erzeugung auf. Zum Betrieb gehörte auch ein kleiner Teich, der einen Teil des Wassers vom Grundbach anstaute und so den Druck auf die Lichtanlage erhöhte. Dort holten sich auch viele Jahre die Fleischer ihr Eis, das sie zur Kühlung benötigten.

Die Erben des schon 1911 verstorbenen Krist konnten den Betrieb nicht lange halten und verkauften 1917 an die Gebrüder Meier, die aus Zuckmantel kamen. Die Erzeugung florierte in den ersten Jahren, es wurde auch in der Tschechenzeit viel exportiert, Sendungen gingen bis in die Türkei. Dass Beschäftigung und Rentabilität später so abflachten, hatte verschiedene Ursachen, zum Großteil waren sie hausgemacht. Auf alle Fälle versorgte die "Meierei" noch vor der offiziellen Elektrifizierung den Mittelort mit elektrischem Licht.

Mühlen im Ortsbereich

Dass es in Wermsdorf schon im frühen 18. Jahrhundert zumindest eine Mühle gegeben hat, kann man aus alten, leider nicht ausführlichen Aufzeichnungen herauslesen. Da wird von einem Josef Girsig berichtet, der von seinem Vater eine Mühle übernimmt. über den Standort und das weitere Schicksal dieses Betriebes ist nichts bekannt. Vielleicht könnte die verschwundene Gemeindechronik darüber Aufschluss geben.

Eine Mühle hatte sich im Gemeindebereich bis in die letzten Tage erhalten, es war die Schlesinger-Mühle im Niederdorf. Aber auch hier lässt sich die Entstehungsgeschichte nicht zurückverfolgen. Ob einer der neun Söhne des unternehmerischen Erbrichters Gabriel der Erbauer war?

Sicher bekannt jedenfalls ist, dass Vinzenz Herdina, der eine Tochter des Erbrichters Kubitschek geheiratet hatte, etliche Jahre die Mühle besaß. In jener Zeit wurde von seiner überaus fleißigen Frau auch Brot gebacken. Der Meister selber hatte leider wenig Lust zur Arbeit, dafür aber um so mehr Durst. Die Mühle brannte ab und wurde erst vom nachfolgenden Besitzer wieder aufgebaut. Aus jener Zeit stammt auch der bekannte Leibspruch des Brandleiders: "Ich bin der Graf Zeppelin, looß drhoam d Mill o-briehn!" Auch der neue Besitzer Baron konnte sich nicht lange halten. Jetzt wurde das Anwesen vom Müllermeister Josef Schlesinger gekauft, der aus dem Grulicher Ländchen kam: "vo do druba runter, wu di grus Kirscha wachsa mit di langa Stiele." Später gab ein gewisser Kreuzer als Bäckermeister ein kurzes Gastspiel. Ein Erdrutsch nach langer Regenperiode beschädigte in der Folgezeit Wohnhaus und Mühle und zwang zu Neubauten. Der Schwiegersohn Bittner aus Kleppel richtete erneut eine Bäckerei ein, die bis zur Vertreibung bestand.

In guter Erinnerung dürfte noch der Begriff "Schwarzer Mühle" sein, obzwar dort schon viele Jahre nicht mehr gemahlen wurde. Auch sie fiel einem Brand zum Opfer. Der Schwarzer Müller baute nicht mehr auf, er bewirtschaftete dann ein Anwesen im Niederdorf. Die Anlage kaufte der Schlossermeister Sturm, der dort mit wenig Glück eine Werkstatt einrichtete. Erneut wechselte der Besitzer, der Tischlermeister Gleiß wollte eine Modelltischlerei einrichten. Auch das klappte nicht. Nach einem abermaligen Besitzwechsel zog der tschechische Glassschleifer Mangl ein. Der fristete dort bis zu seinem Tode sein Dasein.

Der Bauer Hermann Spiller betrieb eine Schrotmühle und ein kleines Elektrizitätswerk. Das Gebäude stand in der Nähe der Merta und gehörte zum Bauernhof, bekannt unter dem Namen "Kupferberg-Küffel". Hermann Spiller hatte dort eingeheiratet.

Lediglich aus mündlichen Berichten weiß man auch, dass in dem Anwesen, in dem später die Siebenhöfener Forstverwalter wohnten und amtierten (Korger-Wirtschaft), eine Mühle gewesen sein muss Großmütter erinnerten sich, dort an einem Wasserrad gespielt zu haben.

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