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Der Donig-Fleischer und sein Hundegespann

Dem Fleischermeister Josef Donig, der im "Saal" eine Fleischbank neu eingerichtet hatte, war es gelungen, das Sanatorium in Groß-Ullersdorf als Abnehmer für seine Erzeugnisse zu gewinnen. Die Lieferung der immer frischen Ware musste regelmäßig und pünktlich erfolgen. Der noch aus seiner Pächterzeit im Kratschem stammende Kastenwagen, bespannt mit zwei großen Hunden diente als Transportfahrzeug. Weil es bei den Hunden immer im Trab ging und dabei das Bretterwägele auf der Schotterstraße einen Heidenlärm verursachte, wusste im Niederdorf schon bald ein Jeder, wenn Meister Donig mit einer Lieferung nach Ullersdorf unterwegs war. Ab und zu durfte der Sohn Josef"Pepi", der spätere Dr. jur. und Richter, mitfahren. Außerhalb der Ortschaften sangen dann beide bisweilen recht lautstark, denn der Wagen klapperte ja so sehr. Die fremden Kinder fürchteten sich manchmal vor den großen Hunden. Zur Beruhigung hörte man dann von Vater Donig immer wieder die geflügelten Worte: Der große Hund der beißt ja nicht, der bellt ja bloß! Als die Hunde ausgedient hatten, wurde ein Pony angeschafft. Die Bespannung hatte sich geändert, aber das große Klappern blieb, weil es ja auch jetzt noch immer Trabtrab gehen musste

Der Donig Pepi hatte in seiner Jugend des öfteren Schwierigkeiten mit seinem Hals. Als ihn daraufhin der Vorsteher Hilbert Josef einmal hintergründig fragte: "Bübele, haste Halsweh?", antwortete der wie aus der Pistole geschossen: "Kümmer dich em dich, du Eftlich du!". Dieser Ausspruch ist bis heute nicht vergessen Nach der Vertreibung besuchte der Jurastudent einmal die Tinz-Mutter in Vilsbiburg. Da er inzwischen zu einem stattlichen jungen Mann herangewachsen war, wurde er von ihr nicht gleich erkannt. Da erscholl aus seinem Munde der unmissverständliche Satz und sofort war die Wiedersehensfreude groß.

Kegeln ohne Kugel

Auf halbem Wege zwischen Wermsdorf und Zöptau, ohne große Mühe über den Kirchsteig zu erreichen, in unmittelbarer Nähe der höchsten Stelle des Storch-Berges, lag das Gelände eine längst aufgelassenen Topfsteinbruches. Das Gebäude, das ehemals den Arbeitern als Unterkunft oder auch als Gerätelager gedient haben mochte, war im Laufe der Jahre durch den neuen Besitzer Jaschke großzügig aus- und umgebaut worden, so dass es sich zuletzt als schmuckes Wohnhaus präsentierte.

Nach und nach entwickelte sich der Steinbruch zum beliebten Ausflugsziel und Treffpunkt bei sonntäglichen Wanderungen. Vor dem Haus luden selbst gezimmerte Tische und Bänke zum Verweilen ein, es wurden Stärkungen und Erfrischungen angeboten, auch eine richtige Kegelbahn war vorhanden.

Als Dreikäsehoch musste mich mein größerer Bruder unbedingt einmal zu einen Kegelnachmittag mitnehmen. Dort angekommen sahen wir die Kegelbrüder aufgeregt nach irgend etwas suchen. Die Kegelkugeln waren verschwunden. Voll Mitgefühl fragte ich einen Burschen: "Wos mocht ern do etz, wenn ir koa Kugln hoatt?" Ohne lange zu überlegen, gab er mir zur Antwort: "Inna waßta wos, bir reißn dir na Schadl ronder, on doh hobr glei wiedr a Keglkugl." Diese Auskunft hat mich äußerst erschreckt, denn ich habe mich schleunigst wieder in Richtung Heimat abgesetzt.

Auch nachdem der Bauer Hickl-Lang mit seiner Tochter Hermi Haus und Grund bewirtschaftete, blieb es dabei, dass Getränke und auch Kuchen verkauft wurden. Scheinbar lag aber dafür keine behördliche Genehmigung vor. Wenn einmal der von Spaßvögeln ausgestoßene Ruf: "D'Schandarm kumma!" ertönte, war in Sekundenschnelle alles verschwunden, was auf einen Schankbetrieb hätte hindeuten können. Um auf die selbst gefertigten Backwaren aufmerksam zu machen, ertönte es ab und zu aus der Küche: "Tort'n hoa br aa!" Die Wirtsleute konnten in jener Zeit dort sicherlich keine Reichtümer erwerben, für die Sonntagsausflügler aber war es angenehm zu wissen, dass mit einer Erholung gerechnet werden konnte, wenn der Berg erklommen war.

Höflichkeit lohnt sich

Anerkanntermaßen waren die Bewohner der nordmährischen Gebirgsdörfer ein höfliches und freundliches Völkchen. Es war doch auch so - Jeder kannte Jeden, in gar vielen Notlagen war man aufeinander angewiesen. Zu diesem Thema weiß die Wermsdorfer Schulchronik folgendes zu berichten.

Im Jahr 1911 kam zu Weihnachten ein großes Gabenpaket von einem bis dahin unbekannten Absender. Des Rätsels Lösung brachte ein dem Paket beiliegender Brief, in dem der Spender, ein wohlhabender Wiener Kaufmann u.a. folgendes mitteilte: Auf dem Rückweg von einer Gebirgswanderung sei er auch durch Wermsdorf gekommen. Er war von der Freundlichkeit der Bewohner, besonders aber von dem höflichem Benehmen der Jugend, die sich bei einem Schulfest (angeblich auf der Korger Wiese beim Saal) vergnügte, so angetan, dass er beschlossen habe, Dank und Anerkennung auf diese Weise abzustatten. Weitere Pakete sollen auch in den folgenden Jahren angekommen sein, deren Inhalt unter den armen Schülern verteilt wurde. Der erste Weltkrieg und das darauf folgende Loslösen von Österreich-Ungarn setzte dieser Spendenaktion ein plötzliches Ende.

Geschichten um Pfarrer Kubitcek

Trotzdem er mehr als 20 Jahre in Wermsdorf lebte und wirkte, ist Pfarrer Kubitcek doch hier nie richtig heimisch geworden. Es fehlte einfach der Kontakt zu seinen Schäflein. Die nie abreißende Verbindung zu seiner tschechischen Mutter prägte ihn und ließ ihn innerlich zeitlebens ein gehorsames Kind bleiben. Andererseits verstand er es aber auch, seine Mutter auszutricksen. Wenn er sie besuchte, fuhr er regelmäßig in einem stark abgetragenen Rock zu ihr. Prompt schleppte sie ihn zu einem Schneider und zurück kam er mit einem neuen Rock.

Diese Abhängigkeit wirkte sich auch in seinem Tun und Lassen aus. Aktivitäten, von ihm mit den besten Vorsätzen begonnen, endeten oft mit gegenteiligem Erfolg. Als z.B. der christlich deutsche Turnverein zu bestehen aufhörte, wurde das vorhandene Vermögen für neue Kirchenbänke gestiftet. Auch zahlreiche Pfarrkinder, vornehmlich Frauen, spendeten für diesen Zweck. Aus Freude und Dankbarkeit nannte er in seiner nächsten Sonntagspredigt sämtliche Spender namentlich. Die Folge war, dass manche Frauen daheim ein Donnerwetter erlebten, weil in den meisten Fällen die Ehemännern von der Spende nichts wussten

Ein Gesundheitsapostel hatte ihn von den Vorzügen einer Kaltwasserkur überzeugt. Unser Pfarrer spazierte daraufhin unverzüglich barfuß durch die im Spätherbst schon leicht bereifte Wiese hinter dem Pfarrhof. Das hatte wiederum zur Folge, dass der Gute zwei Tage später mit Lungenentzündung im Bett lag.

Sein Weggang aus Wermsdorf wäre fast dramatisch verlaufen. Um der ins Sudetenland vorrückenden Deutschen Reichsarmee nicht in die Hände zu fallen, verließ Pfarrer Kubitcek in den ersten Oktobertagen des Jahres 1938 Wermsdorf. Als er gerade mit dem Aufladen seiner Habe auf einen Lastwagen beschäftigt war, fuhr ein junger Bursche auf einem Fahrrad vorbei und richtete aus "Jux" ein Gewehr auf den Lastwagen. Der Pfarrer fühlte sich bedroht und verlangte Schutz vom tschechischen Militär. Binnen kurzer Zeit war auch tatsächlich ein Panzer mit entsprechenden Begleitpersonen im Dorf. Die Angelegenheit blieb zum Glück ohne nachteilige Folgen, denn es hatte ihn ja niemand wirklich bedroht. über das ganze Durcheinander hatte sich jedoch im Gasthof Tinz die Kubitschek-Großmutter1 so aufgeregt, dass sie in der selben Nacht um 2 Uhr morgens starb. Am gleichen Tag noch, es war der 6. Oktober 1938, marschierte die Deutsche Reichsarmee in Wermsdorf ein.

Pfarrer Kubitcek wirkte nach 1945 als Angehöriger des Domkapitels in Olmütz.

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