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Hexenprozesse auf dem Ullersdorfer Herrschaftsgut und in Schönberg

Anlässslich des 330 Jahrestages der ersten Hexenverbrennung im Altvatergebiet gab der Verbund der Gemeinden im Tesstal und die Freiwillige Feuerwehr von Wermsdorf eine Gedenkschrift, welche von dem annerkannten Historiker Mgr. Drahomir Polach verfasst wurde, heraus. Herr Polach und Frau Kantorkova von der Wermsdorfer Feuerwehr haben uns die Genehmigung erteilt diese zu Übersetzen und zu veröffentlichen.Olga Küffel hat unentgeltlich diese Publikation übersetzt, so dass wir sie hier in deutscher Sprache lesen können.

Ich möchte mich dafür bei allen Beteiligten recht herzlich bedanken. Rudolf Jackwerth

Der Anfang der Hexenprozesse im Schönberger Land ist mit Wermsdorf verbunden. Irgendwann vor Ostern 1678 hat sich die hiesige Hebamme Dorothea Groer (51 Jahre alt) bei ihrer Nachbarin Dorothea David (68 Jahre alt) beschwert, dass ihre Kuh keine Milch gibt. Dorothea David hat einen Rat gewusst. Es wurde notwendig, eine geweihte Hostie zu besorgen und diese der Kuh ins Futter zu geben und die Kuh gibt wieder Milch. Die Hostie musste allerdings eine dritte Person besorgen, sonst wirkt der Zauber nicht. Diese dritte Person wurde die alte sechzigjährige Bettlerin Marina Schuch. Am Palmsonntag ist diese zur Messe in die Kirche nach Zöptau gegangen, weil zu dieser Zeit es in Wermsdorf noch kein Sakramentshäuschen (Kirche) gab. Bei dem Versuch, die geweihte Hostie bei der Kommunion heimlich zu verstecken, wurde sie dabei erwischt. Der Pfarrer Eusebius Leander Schmidt wurde wohl platt. In seiner Pfarrgemeinde sollte es zu zwei Verbrechen kommen: Entweihung einer Hostie und zur Hexerei, was ein Fall für die Inquisition wurde. Die Begebenheit wurde deshalb der Ullersdorfer Herrschaft gemeldet und die erschrockene Bettlerin Marina Schuch wurde in Ullersdorfer Schloss ins Gefängnis abgeführt. Zu dieser Zeit hat das Gut die Gräfin Angelina Anna Sybille de la Galle, geborene von Zierotin, für ihre unmündige Neffen verwaltet, die dann entschieden hat, diese ketzerische Freveltat (Hexentat) zu bestrafen.

hexenprozesse
An Hexensabbaten hat man außerdem
auch im Teufelsnamen getauft.

Ein scheinbar einfacher und klarer Anfang der Hexenprozesse, die zuletzt auf dem ullersdorfer Gut und im Schönberg ein paar Zehner Menschen das Leben gekostet haben. Aber nur der Diebstahl allein ruft Zweifel hervor, weil es zu dieser Zeit verhältnismäßig zweifellos um eine alltägliche Angelegenheit handelte. Es belegt dies z.B. eine Legende über die Gründung der Wallfahrtskapelle in Blauda, die höchstwahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden ist. Eine der Versionen der Legende besagt, dass eine geizige Bäuerin aus Rabenau die Hostie in der Schönberger Kirche gestohlen hat, welche sie in einen Bienenstock legen wollte, damit sie mehr Honig bekommt. Unterwegs hat sie die Hostie verloren und wilde Bienen haben um diese herum dann eine Wachsmonstranz gebaut, an derer Stelle dann die Wallfahrtskapelle gebaut wurde.

Die Leute waren über die Wunderwirkung der geweihten Hostie so überzeugt und die katholische Kirche hat es missfällig getragen, dass die geweihte Hostie missbraucht wurde. Dass sie aber in dem Fall der unbedeutenden wermsdorfer Bettlerin Marina Schuch zu so einer drastischen abschreckenden Strafe, zu der letztendlich kam, entschieden hat? Es ist aber notwendig zu sagen, dass die allgemeine Lage auf ullersdorfer Gut und im Schönberg sehr verwickelt war, dass es eher notwendig ist eine Antwort auf die Frage Warum die Hexenprozesse und Warum gerade auf dem schönberger Land suchen muss. Die überwiegend deutsche Bevölkerung dieser Region im Verlauf des 16. Jahrhunderts und anfangs des 17. Jahrhunderts ist in der Mehrheit zu der evangelischen Religion übergetreten und viele haben sich zu ihrem Glauben noch Jahrzehnten nach dessen Verbot bekannt. Aus der religionsfreien Schlesien sind Prediger hergekommen und heimliche Lutheraner sind dann abends zu ihnen in die Wälder und Berge gefolgt, wo man in der Nähe der Landesgrenze verbotene Gottesdienste gefeiert hat - sicher beleuchtet nur durch Lagerfeuer, die man bis in die Täler sehen konnte. Was haben wohl davon die Rechtgläubigen und erst die Obrigkeit und der Klerus gehalten? Zweifelhafte Machenschaften sicher mit dem Teufel verbunden, in dessen Einfluss man unentwegt geglaubt hat, wie wir noch etwas weiter aufführen, auch am Wiener Hof. Dem musste man Einhalt machen und ein für allemal auch dem Luthertum Garaus machen. Vielleicht hatte auch die ullersdorfer Herrschaft einen größeren Grund zum Eingriff gegen diese Menschen gehabt. Traditionell haben sehr rebellische Untertanen in den 50er und 60er Jahren des 17. Jahrhunderts wieder gegen ihre Obrigkeit gemeutert. Im Jahre 1659 sind die Aufständische ins ullersdorfer Schloss eingedrungen, wo sie den Sarg mit dem Leichnam des Premek II. von Zierotin, der im Jahre 1652 gestorben ist und durfte als Lutheraner nicht in der Ullersdorfer Kirche in der Familiengruft beerdigt werden, entführt haben. Die Menschen haben im Besonderen gegen das unerträgliche Untertanenjoch gemeutert. Es hatte auch den Widerstand gegen den Verbot den Glauben ihren Vorfahren zu bekennen beinhaltet. Der neue ullersdorfer Herr, Premek III. von Zierotin, gegen den gemeutert wurde, damit dass er zum katholischen Glauben übertreten ist, hat ihrer Meinung nach einen Verrat begangen. Es ist notwendig zu sagen, dass er so, mindestens anfangs, zweifellos getan hat, damit er das Familienvermögen retten konnte, dessen Einziehen immer noch gedroht hat. Die Rebellion wurde schließlich durch kaiserliche Truppen unterdrückt und drei Führer der Rebellion wurden im Jahre 1662 im Hof des ullersdorfer Schlosses hingerichtet. Der heimliche Widerstand hat aber bei den Untertanen überdauert. Wenn wir den Geschehnissen vorausgehen, sehen wir, dass nach Beendigung der Hexenprozesse zu keinen größeren Rebellionen auf dem Gut der von Zierotin gekommen ist. Aus dem eben Erwähnten ergibt sich, dass die Hexenprozesse beiden Obrigkeiten gepasst haben, sodass eine Frage entsteht, ob sie nicht im Voraus inszeniert worden sind. Dazu fehlen uns aber mehrere Beweise. Es ist aber gut möglich, dass der zöptauer Pfarrer Schmidt nur zu eifrig seine Pflichten erfüllt hatte und dass das alles dann aus der ursprünglichen Absicht, exemplarisch nur ein Paar verirrten Frauen zu bestrafen, entgleist ist. Über den Hexenprozessen gibt es noch eine ganze Reihe Unklarheiten.

Es soll noch eine Begebenheit betont werden, die dem Menschen des 21. Jahrhunderts in diesem Zusammenhang völlig entgeht. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Weltliche und Geistliche Obrigkeit zu ihren Pflichten gezählt hatte, nicht nur ihre Untertanen vor den Missetaten des Teufels und seinen Gehilfen zu schützen, sondern auch die Seelen der Menschen vor der ewigen Verdammung zu retten, die der Hexerei verfallen sind. Das war nur so möglich, wenn man den Körper des Sünders der Folter und der Exekution des Henkers freigegeben hat. Also, auch wenn es unglaublich klingt, die Richter und die Henker haben eigentlich nur Gutes getan und zweifelsohne waren sie darüber auch überzeugt.

Kommen wir aber zurück zu der Bettlerin Marina Schuch. Der Hauptmann des ullersdorfer Gutes, Adam Vinarský, hat der Gräfin Angelina Anna Sybille de la Gallegeraten, dass sie die ganze Begebenheit vom Heinrich Franz Boblig von Edelstadt, der aus Zuckmantel stammte, untersuchen lässt. Über Boblig kursiert völliger Unsinn, wie z.B. dass er ein nicht fertig gewordener Rechtskundiger ist. Er wurde als ein Dummkopf und fast Sadist dargestellt. Die größte Dummheit stellt die Vorstellung dar, dass er die Verkörperung des Bösen war und dass er über solche Macht verfügt hatte, die sich dem damaligen Recht entzieht und dass er machen konnte, was er wollte, kurz gesagt, dass er der Herr über Leben und Tod der der Hexerei bezichtigten Unglücklichen war. Über Boblig wissen wir sehr wenig, praktisch nur das, dass er in Wien das Recht studiert hatte, dass er bei den Grafen von Hodic gedient hat und seiner eigenen Aussage nach hatte er große Erfahrungen mit Inquisitionsprozessen in Fürstentum Neiße, wozu er als ein Kandidat des kanonischen und weltlichen Rechts absolut eine ausreichende Qualifikation hatte. Aus den Umständen der Führung der Gerichtsprozesse in Groß Ullersdorf ist es sicher, dass er berechnend war, er konnte hinterlistig sein (eben ein Jurist)und er hat sich zum Nachteil von den anderen Mitgliedern des Tribunals eine größere Wichtigkeit angemessen als es ihm zugestanden ist. Mit dem Einverständnis der Gräfin de la Galle hat er sich im ullersdorfer Schloss angesiedelt und von den herrschaftlichen Beamten hatte er einen Inquisitionstribunal gestellt, wo auch der Hauptmann Vinarský nicht gefehlt hat.

Am 19. September 1678 hat der Inquisitionsprozess angefangen. Die ersten Verhörten waren Marina Schuch, Dorothea Groer, Dorothea David und die Müllerin Marie Züllich aus Weikersdorf. Die Frauen haben "freiwillig" ausgesagt, am meisten verstockt war aber Dorothea David, die Boblig für eine Haupthexe und Verführerin der Untertanen auf ullersdorfer Herrschaft gehalten hat. Wo es zu ihrem Geständnis keine Drohungen geholfen haben, hat Boblig die Gräfin de la Galle am 9. Februar 1679 gebeten, ob er Folter anwenden darf. Die Gräfin hat lange gezögert. Das Selbe hat auch das Tribunal beim Appellationsgericht im Prag gebeten, das anfangs Mai 1679 die Bewilligung zu der Tortur gegeben hat. Inzwischen hat auch die Gräfin de la Galle ihr Einverständnis dazu gegeben. Vinarský hat diese "gute" Nachricht am 11. Mai 1679 an Boblig nach Olmütz weitergeleitet und hat ihn zum "Examinieren" (Prüfung) nach Ullersdorf eingeladen. In der Nachschrift hatte er dazu geschrieben, dass "Meister Jokl wird was zu tun haben". Der Spitzname "Meister Jokl" hat dem ullersdorfer Scharfrichter Jakob Hay gehört. Die Folter hatte man gegen alle Frauen angewendet, die bitterste demnach aber gegen Dorothea David, die in Folge dessen am 24. Mai 1679 gestorben ist, was sollte durch das Gericht so interpretiert worden, als wenn ihr der Böse den Hals umgedreht hätte. Bis zum endgültigen Urteil wurde sie provisorisch in der Erde verscharrt. Die Frauen und später auch weitere Beschuldigten haben über Hexenversammlungen ausgesagt, die meistens auf den Petersteinen abgehalten wurden, wo man mit dem Teufel gesoffen, gefressen, gehurt, über die geweihten Hostie getrampelt, im Namen des Teufels getauft, abstoßende Hochzeitsfeierlichkeiten und Beerdigungen abgehalten hat. Eins der größten Verstöße war ein Lämmchen (Symbol des Christus) mit der Knute zum Tode schlagen.

Der Scharfrichter Jakob Hay hat bei der Folter zuerst die Daumenschrauben angesetzt, wenn es nicht half, hatte er die Spanische Stiefel angesetzt und bei der dritten Stufe der Folter hatte er bei den Unglücklichen die Streckbank angesetzt. Alle Handgriffe haben die Beschuldigten begleichen müssen, waren sie aber Mittellos, musste es die Obrigkeit bezahlen, was eigentlich einer der Gründe war, warum unter den Beschuldigten zum Schluss nur vermögende Leute erschienen. Jakob Hay kam so während der Prozesse zu einem schönen Betrag. Als Beispiel kann man seine Abrechnungen für das Foltern und hinrichten der Margarethe Prokel aus Wermsdorf, die am 4. Mai 1682 lebendig verbrannt wurde, aufführen. Margarethe Prokel war besonders verstockt, weil bis sie sich "schuldig" bekannt hatte, musste ihr der Henker 15x Daumenschrauben (dafür hatte er 4 Gulden und 30 Kreuzer erhalten), 12x Spanischen Stiefel (3 Gulden und 36 Kreuzer) und 7x auf der Streckbank strecken (4 Gulden und 5 Kreuzer). Außerdem musste er sie in Eisen legen, wofür er 2 Kreuzer täglich bekommen hat und weil er es 354x getan hat, hatte er dafür insgesamt 11 Gulden und 48 Kreuzer bekommen. Am lukrativsten waren aber die Hinrichtungen, für die er 11 Gulden und 40 Kreuzer genommen hat. Weniger zufrieden war Hay wohl mit dem zöptauer Richter Hans Axmann gewesen, zu dessen "Bekennen" hat es nur 10x die Daumenschrauben ansetzen gereicht, wofür der Henker "nur" 3 Gulden bekommen hat. Über Axmann hat Boblig behauptet, dass er schon seit 1651 auf einem roten Hahn zu den Versammlungen der schlesischen und mährischen Hexer und Hexen gefahren ist.

Die ersten beschuldigten Frauen wurden zum Tode durch Verbrennen bei lebendigem Leibe verurteilt, das das Appellationsgericht in Prag am 13. Juli 1679 gefällt hat. Diese entsetzliche Strafe wurde ihnen durch ein Säckchen mit Schwarzpulver, das ihnen der Scharfrichter um den Hals gebunden hat und das sie ersticken sollte, gemildert. Die Exekution wurde am 7. August 1679, nicht am Galgenplatz, aber im heutigen Bad, an der Stelle des Pavillon ¦árka, durchgeführt. Auch der ziemlich verrotteter Leichnam der Dorothea Groer wurde ausgegraben und am Scheiterhaufen verbrannt.

Die Gräfin de la Galle hat danach Boblig um weitere Mitarbeit gebeten. Das Appellationsgericht hat am 19. September 1679 ein Inquisitionsverfahren gegen weitere Frauen angeordnet. Von den Dörfern der Ullersdorfer Herrschaft wurden letztendlich für die Hexerei zum Tode verurteilt 38 Personen, davon überwiegend Frauen - Männer gab es "nur" drei. Von den meisten von ihnen wissen wir nur die Grunddaten. Ihre persönlichen Schicksale bleiben für uns für immer wohl ein Geheimnis. Eins davon verbirgt sich hinter der Rosina Schaubert. Es sollte angeblich ein sehr schönes Mädchen sein, sogar noch eine Jungfrau. Im Gefängnis wurde sie vom Kerkermeister Simon Friedrich missbraucht und geschwängert. Friedrich wurde für seine Tat im Jahre 1682 enthauptet. Rosina Schaubert wurde dann am 18. November 1682 verbrannt. Was mit dem Fötus, was sie unterm Herzen getragen hat, geschehen ist, wissen wir nicht.

Grosse Unannehmlichkeiten hat dem Boblig der ullersdorfer Pfarrer Thomas König, der den ersten Opfern der Prozesse die Beichte abgenommen hat, bereitet. Bei der Massenhinrichtung der Katharina Rabowský, Barbara Göttlicher, Dorothea Biedermann und Barbara Kranich am 5. September 1680 wurde er ein Zeuge dessen, wie diese Frauen vom brennenden Scheiterhaufen verzweifelt gerufen haben: "Lieber Gott (Jesus), sei uns gnädig, weil wir genötigt wurden, manche unschuldige Menschen zu beschuldigen!" König hat gemeinsam mit dem zöptauer Pfarrer Schmidt und dem Reitendorfer Kaplan J. A. Lachnit ein Protest gegen den das Inquisitionstribunal geschrieben und hat ihn den olmützer Bischof beschickt. Schmidt hatte lieber seine Beschwerde bald darauf widerrufen (wahrscheinlich auf den Rat seines Bruders, der ein Sekretär des olmützer Bischof war) und Lachnit hat es genauso gemacht. König ist alleine geblieben und hatte trotzdem allem Zwang widerstanden. Er musste die Verhaftung seiner Pflegetochter Elisabeth Moser, die er als Waisenkind einer ungarischen Marketenderin aufgenommen hat, erdulden und sogar auch das, das sein Namen bald danach auch in den Aussagen der Beschuldigten, die ihn als Hexer bezeichnet haben, erschien. Der tapfere Priester hat sich gewehrt, hat weitere Memoranden gegen die Prozesse geschrieben, bis er endlich im Frühjahr 1682 anderswohin versetzt wurde und dort kurz danach verstarb und so angeblich Bobligs Rache entgangen ist.

Die letzten Hinrichtungen in Ullersdorf fanden im Jahr 1686 statt. Auch wenn sich danach noch mancher Beschuldigter im Gefängnis befand, dem Todesurteil sind sie entgangen. Im Gegenteil. Aus einer Tragödie wurde langsam eine Posse. Im Jahre 1687 hat ein Mitglied des ullersdorfer Tribunals Jan Richter an Boblig über eine große Empörung der ullersdorfer Bewohner geschrieben, die sich über die Henkersgehilfen und die Gefängniswächter beschwert, die mit den Informationen über den Verlauf der Untersuchungen gehandelt haben. Die Verwandten der Beschuldigten sind gegen Bezahlung ins Gefängnis gekommen und dort haben sie sich nicht selten gemeinsam mit dem Henker und seinen Gehilfen und mit den Wächtern betrunken und haben verschiedene beispiellose Ausschweifungen getrieben.

Das bekannteste Opfer der Hexereiprozesse war der Dechant Christoph Alois Lautner. Es war ein sehr gebildeter und tapferer Mann, mit dem Boblig, allem Anschein nach, noch eine offene Rechnung aus der Vergangenheit hatte, leider was Näheres davon ist nicht bekannt. Ein Fakt ist, dass Lautner seine Tante wurde als eine Hexe bei den Prozessen im Fürstentum Neiße hingerichtet, bei denen sich am meisten der Graf Georg Maximilian Hodic (+1666) engagierte, dem außerdem auch die Herrschaft Schlesisch Rosswald im Hotzenplotzer Ländchen gehörte. Lautner selbst hatte dann als Pfarrer und Dechant in Hotzenplotz in den Jahren 1663 - 1668 gewirkt. Zum Treffen wie mit Boblig als auch mit dem fanatischen Grafen Hodic konnte es durchaus kommen. Sei es wie es ist, Lautner sein Namen erscheint unter den angeblichen Hexern schon bald der Eröffnung der ullersdorfer Prozesse. Er wurde am 18. August 1680 in Müglitz verhaftet, wo er seinen Mitschüler und Freund Erzdechant J. V. Winkler besucht hatte. Gleich danach wurde er nach Mürau in die dortige Festung (Burg) überführt. Man sollte betonen, dass über diese Verhaftung Boblig in gar keinem Fall entschieden hat, obwohl er sicher mit nicht unbedeutendem Maß dazu beigetragen hatte, dass der olmützer Bischof Karl II. von Liechtenstein - Kastelkorn so entschieden hat. Der Bischof hat auch über das kanonische Inquisitionstribunal entschieden, zu dem dann auch nach längerem Zögern als beisitzender Richter Boblig gekommen ist. Am 30. August 1680 haben dann die unendliche Verhöre angefangen. Lautner ha jegliche Beschuldigungen abgewiesen. Er wurde als Schuldiger angeklagt, dass er im Teufels Namen getauft, getraut und beerdigt hatte. In Mürau wurde er zur Konfrontationen nach Ullersdorf und ins schönberger Gefängnis gefahren, wo er sich dann im März 1683 allen drei Folterstufen unterzogen, allerdings erst nach der Bewilligung des Bischofs, aber er hat kein Geständnis abgelegen. Im Juni 1683 musste er die Mürauer Burg verlassen, weil der olmützer Bischof dort vor der türkischen Bedrohung Zuflucht genommen hat. In Müglitz wurde dann für Lautner in der ehemaligen Schule eine Gefängniszelle hergerichtet. Hier hatte er sich dann im Jahre 1684 der weiteren Folter unterzogen, bei derer er sich dann am 28. Juni 1683 "schuldig bekannt". Es hatte fast ein ganzes Jahr gedauert, bis der Bischof das Todesurteil unterschrieben hat. Am 18. September 1685 wurde dem Lautner erst die Weihe weggenommen und danach in heutigem Stadtpark lebendig verbrannt.

Eine weitere bekannte Person der schönberger Hexenprozesse war der Seifensieder Jan Prerovský, womöglich der einzige Tscheche, der nach Schönberg im Jahre 1660 gekommen ist. Er war allerdings kein Junggeselle, wo man es manchmal besagt, sondern ein Witwer, der sogar ein männliches Nachkommen in Schönberg hinterlassen hat. Besonders schön war er wohl nicht, weil sich auch Dechant Lautner über sein Äußeres lustig gemacht hatte. Der Seifensieder hat die Elisabeth Sattler umworben, die, wie es schon erwähnt wurde, gemeinsam mit dem Vater Kaspar und der Mutter Marie Sattler auf dem Hinrichtungsplatz geendet hatte. Dem verhafteten Prerovský ist es gelungen, mit Hilfe des Kerkermeisters Rohner aus dem Gefängnis eine Nachricht für den Bruder, der seinerzeit der Prior des Klosters Königsfeld bei Brünn, durchzuschmuggeln. Nach der Folterung hat er sich zwar zu der Hexerei bekannt, aber seinem Bruder ist es gelungen, eine Audienz beim Kaiser Leopold I. zu bekommen, und dieser hat angeordnet, dass der Urteil nicht früher ausgesprochen werden darf, bis der Beschuldigter sich freiwillig zu den Vergehen bekennt. Boblig hat dem Seifensieder absichtlich Kaiser seinen Willen verschwiegen und hat ihm versprochen, dass er nach freiwilliger Schuldbekenntnis entlassen wird. Prerovský ließ sich täuschen, und hat vor Zeugen seine angebliche Schuld zugegeben. Das Urteil konnte ausgesprochen werden und Prerovský ist mit weiteren Verurteilten auf das Schafott gekommen. Einzige Gnade für ihn war, dass der Henker ihm nicht, wie bei den anderen, die rechte Hand abgehackt hatte.

Zum Schluss sind diesem Treiben in Schönberg 25 Menschen zum Opfer gefallen. Ein grausames Schicksal hatte Eva Umblauf aus Frankstadt (heute Nový Malín), die beim Verhör angegeben hatte, dass sie bei den Hexentreffen auch Boblig gesehen hatte. Wo sie danach im Gefängnis erdrosselt gefunden wurde, hatte man es als ein Werk des Teufels bezeichnet. Zu den tragischsten Gestalten gehörte zweifellos die Magdalena Peschkulin, die beschuldigt wurde, dass sie mit Hilfe der Hexenzauber ihre zwei Ehemänner getötet haben sollte. Der erste war der Daniel Bock, mit dem sie 30 Jahre lang gelebt hatte. Sie sollte ihn so töten, dass sie ihm unter der linken Achsel ein paar Haare abgeschnitten haben sollte, mit Ohrenschmalz vermischt haben sollte und daraus eine Kugel geformt, die sie dann bei einer Hexenbeschwörung mit Hilfe einer Spule geschossen haben sollte. Auf ihren zweiten Mann sollte sie durch ein Holunderröhrchen genauso eine Kugel, die aus einem Stück Schuhsohle ihres rechten Schuhs, geweihte Hostie und Haare ihres Mannes gefertigt sein sollte, geschossen haben. Danach ist Peschkulin nach fünf Wochen gestorben, Diese Unglückliche, die allgemein Manda Bock gerufen wurde, war 65 Jahre alt. Sie wurde so verschreckt, dass sie ganz freiwillig der Hexerei 43 Menschen bezichtigt hatte. Als "Belohnung" wurde ihr vor der Verbrennung nicht die rechte Hand abgehackt, aber dafür sollte ihr der Henker ihr Lästermaul zugenäht haben. Umgekehrt zu den Glücklichen gehörte Susanne Prosinger, die vom Tribunal befreit wurde, was Boblig mit dem erklärte, dass sie ihrem Ehemann das ganze Vermögen versoffen hatte.

Das letzte Opfer der Prozesse war Heinrich Peschke, der im Juni 1684 verhaftet wurde. In seinem Fall ist das Inquisitionstribunal auf einen ungewohnten Widersacher gestoßen. Trotz jeglichen Druck und unmenschliche Qualen durch alle drei Stufen der Folter, das beim Strecken auf der Streckbank noch zusätzlich durch verbrennen seiner Hüfte mit brennenden Kerzen verschärft wurde, ist er als einziger Beschuldigter der Hexerei niemals geständig worden. Zwölf Jahre lang hat ihn Boblig im Gefängnis gehalten und wusste sich nicht mit ihm zu helfen. Im Jahre 1696 ist dieser ungewöhnlich tapferer Mann in schönberger Gefängnis gestorben.

Aufzeichnung aller Ullersdorfer Opfer
  1. Marina Schuch, 62 Jahre alt, Witwe aus Wermsdorf - lebendig verbrannt am 7. 8. 1679 (Der Henker sollte ihr ein Schwarzpulversäckchen unterm Hals befestigen).
  2. Dorothea Groer, 51 Jahre alt, verheiratet, Hebamme im Wermsdorf - lebendig verbrannt am 7. 8. 1679 (Der Henker sollte ihr ein Schwarzpulversäckchen unterm Hals befestigen).
  3. Marie Züllich, ihr Alter kennen wir nicht, aus Weikersdorf - lebendig verbrannt am 7. 8. 1679 (Der Henker sollte ihr ein Schwarzpulversäckchen unterm Hals befestigen).
  4. Dorothea David, 68 Jahre alt, Witwe aus Wermsdorf - am 24. 5. 1679 hat ihr der Böse in der Folterkammer den Hals umgedreht, ihr Leichnam wurde verscharrt und bei der Hinrichtung der ersten Beschuldigten am 7. 8. 1679 ausgegraben und gemeinsam mit den anderen Verurteilten am Scheiterhaufen verbrannt.
  5. Susanne Stubenvoll, ihr Alter kennen wir nicht, die Ehefrau des Kellermeisters im Schloss Ullersdorf - enthauptet und verbrannt am 5. 4. 1680.
  6. Agneta Kopp, ihr Alter kennen wir nicht, eine Bäuerin aus Ullersdorf (den Berichten nach sollte es sich um eine buckelige deformierte Frau, fast ein Monstrum handeln) - enthauptet und verbrannt am 5. 4. 1680.
  7. Marie Peter, 45 Jahre alt, die Ehefrau des Verwalters im Tschimischl (Alkoholikerin) - enthauptet und verbrannt am 5. 4. 1680.
  8. Anna Föbel, (genannt die alte "Föbelin"), ihr Alter kennen wir nicht, aus Kleppel (Schwester der Hexe Dorothea David) - enthauptet und verbrannt am 5. 4. 1680.
  9. Barbara Kühnel, ihr Alter kennen wir nicht, Pfarrersköchin aus Reutenhau - enthauptet und verbrannt am 5. 4. 1680.
  10. Dorothea Biedermann, (genannt die Bäder Tobias), 50 Jahre alt, verheiratet, die Ehefrau des ullersdorfer Arztes - lebendig verbrannt im August 1680.
  11. Barbara Göttlicher, 46 Jahre alt, verheiratet, Papiermacherin aus Ullersdorf - lebendig verbrannt im August 1680.
  12. Katharina Rabowský, (genannt "alte Schützin"), 56 Jahre alt, aus Ullersdorf - lebendig verbrannt im August 1680.
  13. Barbara Kranichel, (genannt die "schwarze Susi" oder "Schindlerin"), 80 Jahre alt, aus Ullersdorf - ist in der Folterkammer, wo sie zu Tode gequält wurde, am 14. 11. 1680 gestorben.
  14. Hans Stubenvoll, sein Alter kennen wir nicht, Kellermeister im Schloss Ullersdorf (knapp vor den Weihnachtsfeiertagen 1679 hatte er im Gefängnis ein Selbstmord versucht) - lebendig verbrannt am 10. 7. 1681.
  15. Barbara Drechsler, ihr Alter kennen wir nicht, Schlosswirtschafterin aus Ullersdorf - lebendig verbrannt am 10. 7. 1681.
  16. Anna Richter, ihr Alter kennen wir nicht, die Ehefrau eines Kirchenvaters aus Wüst Seibersdorf - lebendig verbrannt am 10. 7. 1681.
  17. 17.Barbara Rotter, ihr Alter kennen wir nicht, ledig, die Tochter eines Kirchenbäckers aus Ullersdorf - lebendig verbrannt am 10. 7. 1681.
  18. Hans Axmann, sein Alter kennen wir nicht, Richter aus Zöptau - lebendig verbrannt am 10. 7. 1681.
  19. Margarethe Prokel, ihr Alter kennen wir nicht, aus Wermsdorf - lebendig verbrannt am 4. 5. 1682.
  20. Barbara Bartel, ihr Alter kennen wir nicht, aus Reitendorf - lebendig verbrannt am 4. 5. 1682.
  21. Dorothea Rotter, ihr Alter kennen wir nicht, aus Wüst Seibersdorf - lebendig verbrannt am 4. 5. 1682.
  22. Dorothea Axmann, ihr Alter kennen wir nicht, Ehefrau des zöptauer Richters - lebendig verbrannt am 18. 11. 1683.
  23. Katharina Ott, ihr Alter kennen wir nicht, verheiratet, aus Wermsdorf - verbrannt am 18. 11. 1683.
  24. Elisabeth Moser, ihr Alter kennen wir nicht, Pfarrers Köchin aus Ullersdorf - verbrannt am 18. 11. 1683.
  25. Rosine Biedermann, ihr Alter kennen wir nicht, aus Ullersdorf - verbrannt am 18. 11. 1683.
  26. Rosine Schaubert, ihr Alter kennen wir nicht, aus Ullersdorf (eine Jungfrau, die vom Kerkermeister Friedrich geschwängert wurde) - verbrannt am 18. 11. 1683.
  27. Katharina Friedrich (genannt die "Richterin Martin"), ihr Alter kennen wir nicht, aus Reitendorf - enthauptet und verbrannt am 16. 11.1684.
  28. Eva Krusch, ihr Alter kennen wir nicht, verheiratet, aus Reitendorf - verbrannt am 15.10.1685.
  29. Helene Köhler, ihr Alter kennen wir nicht, Witwe des reitendorfer Richters Balzar Köhler - verbrannt am 15.10.1685.
  30. Katharina Winter, ihr alter kennen wir nicht, Pfarrers Köchin aus Reitendorf - verbrannt am 15.10. 1685.
  31. Anna Göhl, ihr Alter kenne wir nicht, aus Reitendorf - verbrannt am 9. 5. 1686.
  32. Anna Bartel, ihr Alter kennen wir nicht, aus Deutsch Märzdorf - verbrannt am 9. 5. 1686.
  33. Valentin Klapper, sein Alter kennen wir nicht, aus Deutsch Märzdorf - verbrannt am 9. 5. 1686.
  34. Ursula Klug, ihr Alter kennen wir nicht, eine Näherin aus Reitendorf - verbrannt am 9. 5. 1686.
  35. Ursula Brauner, ihr Alter kennen wir nicht, aus Ullersdorf - erhängt und verbrannt 1686.
  36. Barbara Haunschild, ihr Alter kennen wir nicht, (Tochter der Ursula Brauner?), Wirtschafterin in Bad Ullersdorf - erhängt und verbrannt 1686.
  37. Barbara Scharf, ihr Alter kennen wir nicht, Ehefrau des Fassbinders aus Ullersdorf - erhängt und verbrannt 1686.
  38. Ursula Kolb, ihr Alter kennen wir nicht, "alte Richterin" aus Petersdorf - erhängt und verbrannt 1686.
  39. Fötus, eventuell das Kind der Rosine Schaubert?
  40. Simon Friedrich, sein Alter kennen wir nicht, Kerkermeister aus Ullersdorf - enthauptet im Jahre 1682, weil er die verurteilte Hexe Rosine Schaubert geschwängert hat.
Aufzeichnung der Schönberger Opfer.
  1. Marie Sattler, 60 Jahre alt, verheiratet, Ehefrau des Färbers Sattler - (verhaftet am 27. 11. 1679) hingerichtet am 7. 12. 1682.
  2. Susanne Voglick, hingerichtet am 7. 12. 1682.
  3. Elisabeth Sattler, am 2. August 1683 wurde ihr die rechte Hand abgehackt, danach wurde sie enthauptet und verbrannt.
  4. Marie Peschke, am 2. August 1683 wurde ihr die rechte Hand abgehackt, danach wurde sie enthauptet und verbrannt.
  5. Kaspar Sattler, am 2. August 1683 wurde ihm die rechte Hand abgehackt, danach wurde er enthauptet und verbrannt.
  6. Jan Prerovský - enthauptet und verbrannt am 14. April 1684.
  7. Ester Rohner, (Mutter der Kerkermeisters Rohner, der den Brief des Prerovský an seinen Bruder durchgeschmuggelt hatte) - enthauptet und verbrannt am 14. April 1684.
  8. Magdalena Peschkulin - enthauptet und verbrannt am 14. April 1684.
  9. Anna Welzel, enthauptet und verbrannt am 14. April 1684.
  10. Eva Umblauf, aus Frankstadt - im Gefängnis 1684 erwürgt.
  11. Alois Christoph Lautner - lebendig verbrannt am 18. September 1685.
  12. Friedrich Winter, Pfefferkuchenbäcker (verhaftet im Juni 1684) - enthauptet und verbrannt am 22. März 1685.
  13. Christine Reinhold, (verhaftet im Juni 1684) - enthauptet und verbrannt am 22. März 1685.
  14. Dorothea Hutter, (verhaftet im Juni 1684) - enthauptet und verbrannt am 22. März 1685.
  15. Marie Felix, (genannt "Kranichl Marie") -. enthauptet und verbrannt nach Juni 1685.
  16. Anna Weilemann, jetzt Meixner, alte Papiermacherin - enthauptet und verbrannt nach Juni 1685.
  17. Eva Gärtner - enthauptet und verbrannt (nach Juni) 1685.
  18. Anna Kranichl - enthauptet und verbrannt (nach Juni) 1685.
  19. Salomona Kurtz, später Bartl - enthauptet und verbrannt (nach Juni) 1685.
  20. Dorothea Partsch, (allgemein bekannt als die schöne Fassbinderin) - enthauptet und verbrannt (nach Juni) 1685.
  21. Heinrich Bittner, Posamentemacher - enthauptet und verbrannt nach Juni 1692.
  22. Anna Rollepatz - enthauptet und verbrannt nach Juni 1692.
  23. Salomena Sattler, (Ehefrau des Heinrichs, des Bruders von Kaspar) - enthauptet und verbrannt nach Juni 1692.
  24. Marie Ott, (genannt "Kaps") - enthauptet und verbrannt nach Juni 1692.
  25. Heinrich Peschke - (verhaftet im Juni 1684) ist im Gefängnis im Jahre 1696 gestorben.

Die Bettlerin Marina Schuch aus Wermsdorf, die Armseligste der Armseligen, das erste Opfer der Hexenprozesse im schönberger Land, Heinrich Peschke, ein reicher schönberger Bürger und enorm tapferer Mann das Letzte Opfer.

Informationskarte der Ortschaften, von wo die Opfer der Inquisitionsprozesse stammten. (Unterhalb Wappen der Freiwilligen Feuerwehr Wermsdorf) karte hexenprozesse